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Eifersucht: Würze oder Gefahr für die Beziehung?

Eifersucht ist ein schmerzhaftes, oft folgenreiches Gefühl. Nicht ohne Grund steht es im Zentrum großer künstlerischer Werke – von Shakespear‘s „Othello“ bis zu John Lennon‘s Song „Jealous Guy“. Der Ursprung des Wortes „Eifersucht“ lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen: Das mittelhochdeutsche „eivar“ bedeutet sinngemäß herb, bitter, „suht“ heißt übersetzt Seuche, Krankheit.

Mann sitzt in der Zimmerecke
Mann sitzt in der Zimmerecke

Die meisten Menschen erleben Eifersucht als sehr schwieriges Gefühlt. Genau deshalb ist es so wichtig, es zu erforschen und besser zu verstehen. Dieser Beitrag befasst sich mit dem unangenehmen und doch alltäglichen Gefühl. Er geht den Ursachen auf den Grund und beleuchtet die Folgen der Eifersucht. Und: Er zeigt Möglichkeiten, wie Sie mit Eifersucht umgehen, ohne dass sie ihr destruktives Potenzial entfaltet. 

Unsere Beiträge sind sehr ausführlich. Bitte nutzen Sie daher zur besseren Navigation das Inhaltsverzeichnis. Sollten Sie ergänzende Anregungen oder eigene Erfahrungen zum Thema besitzen? Freuen wir uns natürlich sehr über ein entsprechendes Kommentar am Ende des Beitrages.  

Wir wünschen eine inspirierende Lektüre!

Inhaltsverzeichnis
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    Eifersucht und Neid: Herausforderung für Singles und Paare

     

    Auch wenn wir die beiden Begriffe im Alltag synonym verwenden, gibt es doch einen wichtigen Unterschied: Eifersucht entsteht aus Verlustangst. Das Kind befürchtet, die Zuneigung der Mutter zu verlieren, weil ein Geschwisterchen zur Welt gekommen ist, der Mann sorgt sich, dass seine Partnerin ihn für ihren Chef verlassen könnte.  

     

    Neid richtet sich auf ein sprichwörtliches „Objekt der Begierde“. Stellen Sie sich vor: Sie leben in einer Beziehung, hätten jedoch gern den Mann der besten Freundin zum Partner. Beim Anblick des glücklichen Paares steigen Frust und Groll in Ihnen auf. Vielleicht meldet sich zusätzlich das schlechte Gewissen. Es handelt sich schließlich um Ihre Freundin, auf die Sie neidisch sind. Neid kann genauso auf die Beförderung des Arbeitskollegen oder die sportliche Figur der Nachbarin gerichtet sein. 

    Egal ob Neid oder Eifersucht: Meist entsteht in der jeweiligen Situation ein wahrer Cocktail aus Gefühlen. Verlustangst, Wut, Selbstzweifel, schlechtem Gewissen, Frust, bis hin zur Verzweiflung. Kein Wunder, dass Eifersuchtsdramen – wenn auch sehr selten – tödlich enden können. In diesen Fällen spricht man vom „Othello-Syndrom“.

     

    In der folgenden Statistik ist wunderbar ersichtlich, welchen Einfluss Eifersucht auf uns in welchen Bereichnen haben kann.

    Statistik zu Eifersucht

    Was haben Sie schon aus Eifersucht getan? | Grafik: ALL4SINGLES | Quelle: https://de.statista.com

    Statistik zu Eifersucht

    Was haben Sie schon aus Eifersucht getan? | Grafik: ALL4SINGLES | Quelle: https://de.statista.com

    Welcher Sinn steckt hinter der Eifersucht?

     

    Evolutionspsychologen haben geschlechtsspezifische Unterschiede entdeckt: Während männliche Eifersucht vor allem durch reale oder vermutete sexuelle Untreue entsteht, reagieren Frauen auf tatsächliche oder vermeintliche emotionale Untreue besonders eifersüchtig. Die Forscher vermuten, dass dieses Muster dem Überleben der Spezies dient. Der Mann möchte kein „Kuckuckskind“ versorgen, sondern seine Gene verbreiten. Die Frau braucht den emotional präsenten Mann, damit er den gemeinsamen Nachwuchs beschützt und versorgt.

     

    Menschenkinder sind – im Vergleich zu vielen Säugetieren – sehr lange unselbstständig und auf elterliche Pflege angewiesen. Als Paar steigern die Eltern die Überlebenschancen ihres Nachwuchses.

     

    Weitere Differenzen finden sich in Bezug auf die Rivalen. Männer bewerten die „Gefährlichkeit“ ihrer Nebenbuhler anhand deren körperlicher Kraft, der sozialen Macht und ihres finanziellen Status. Frauen beobachten attraktivere oder jüngere Geschlechtsgenossinnen besonders argwöhnisch. 

    Der Sinn dahinter: Der Mann möchte vermeiden, dass sich die eigene Frau einem stärkeren, mächtigeren Mann zuwendet und dessen Kinder in die Welt setzt. Frauen möchten den Versorger ihrer Familie nicht an eine fruchtbarere Rivalin verlieren. 

     (vgl. Kenneth N. Levy, Kristen M. Kelly: Sex Differences in Jealousy. A Contribution from Attachment Theory. Psychological Science, Februar 2010, Bd. 21, Nr. 2, S. 168–173.)

    In der Psychoanalyse gilt Eifersucht als normales Gefühl, vergleichbar mit Freude, Wut und Trauer. Diesem Verständnis nach reagieren Menschen eifersüchtig, wenn sie befürchten, ein geliebtes Objekt oder einen Menschen zu verlieren, oder wenn sie ihn tatsächlich verlieren. 

    Diese beiden Perspektiven werden von einigen Forschern auch heute noch vertreten. Allerdings setzt sich zunehmend eine andere Sichtweise durch: Die emotionale Bindung zwischen den Partnern scheint nach neuesten Erkenntnissen eine wichtigere Rolle zu spielen als die Evolution und damit das Geschlecht. Menschen, die auch in der Beziehung ihre Eigenständigkeit nicht abgeben, reagieren stärker auf sexuelle Untreue. Personen mit einem abhängigen Bindungsstil verkraften emotionale Distanz weniger gut. [1]

     

    So ordnen Sie die wissenschaftlichen Erkenntnisse ein

     

    Wissenschaft produziert keine „Wahrheiten“. Die Forschung dient dazu, mit exakten und verlässlichen Methoden die Realität zu untersuchen und zu erklären. Technischer Fortschritt und neue Forschungsmethoden versetzen die Wissenschaftler in die Lage, einen Sachverhalt noch genauer oder aus einer anderen Perspektive zu untersuchen. Aus diesen Gründen entspricht eine wissenschaftliche Erkenntnis immer dem aktuellen Forschungsstand.

     

     

    Sind Sie eifersüchtig?

    Jeder Mensch kennt Momente der Eifersucht. Die folgenden Fragen möchten Sie dazu anregen, Ihr Verhältnis zur Eifersucht innerhalb der Partnerschaft zu reflektieren und besser zu verstehen. 

    Leuchtendes LED Fragezeichen
    Leuchtendes LED Fragezeichen
    1. Vergleichen Sie sich häufig mit Ihren Geschlechtsgenossen und fühlen sich dabei minderwertiger?

    JA?
    Machen Sie sich bewusst: Die Natur hat
    jeden Menschen mit Stärken und Schwächen ausgestattet. Die Person als Ganzes zählt, darum verzerrt der Vergleich einzelner Merkmale die Realität. Ein Beispiel: Sie schätzen die Bedienung Ihres Lieblingscafés vielleicht als körperlich attraktiver ein, weil sie schlanker ist als Sie. Sie kennen Sie nicht näher und wissen weder über ihre „Problemzonen“ noch über charakterliche Schwächen Bescheid. Genauso wenig wissen Sie, ob diese Kollegin nicht insgeheim ihre weiblichen Formen bewundert. 

     

    1. Können Sie sich gut alleine die Zeit vertreiben?

      NEIN?

      Das können Sie tun: Die eigenen Interessen zu kennen und Hobbys zu pflegen steigert die Lebensqualität in jeder Lebensphase. Zeiten des Alleinseins gehören zum Leben wie Sonnenschein und Regenwetter. Sie stärken Ihre psychische Widerstandskraft, wenn Sie wissen, was Ihnen gut tut und wie Sie selbst aktiv werden können.

      Auf potenzielle Partner wirken Sie interessanter und attraktiver als ein Mensch, der ständig Gesellschaft braucht – das gilt genauso für bestehende Beziehungen. Die Psychologie spricht hier von einem abhängigen Bindungsstil. Falls Sie sich zu dieser Gruppe zählen, besteht trotzdem kein Grund zur Sorge. Bindungsstile lassen sich bis ins Erwachsenenalter verändern. 

     

    In unserm Beitrag zum Thema Einsamkeit finden Sie weitere wertvolle Tipps. 

     

    1. Beschäftigt Sie innerhalb einer Partnerschaft – auch ohne konkreten Anlass – häufig die Frage, ob Ihr Partner, Ihre Partnerin Ihnen wirklich treu ist?

    JA?
    Das können Sie tun: Verlustängste entstehen durch verschiedene Ursachen. Analysieren Sie diese Angst genauer: Warum sollte Ihr Partner, Ihre Partnerin untreu sein? Wurden Sie bereits betrogen? Kennen Sie Untreue aus Ihrer Ursprungsfamilie? Oder fühlen Sie sich in der Beziehung unterlegen? Zurückliegende Erfahrungen besprechen Sie miteinander. Wählen Sie dafür einen ruhigen Moment. Gemeinsam gelangen Sie sicherlich zu einer Lösung. Sollten Sie sich in der Beziehung unterlegen fühlen oder ist Ihr Selbstwertgefühl allgemein gering ausgeprägt? Strategien und Hinweise, wie Sie damit umgehen, finden Sie weiter unten im Beitrag. 

     

    1. Sie durchsuchen Taschen, Whatsapp-Nachrichten und das E-Mail-Postfach Ihres Partners, Ihrer Partnerin nach Hinweisen auf Untreue?

    JA?
    Gibt es einen konkreten Verdacht? Dann konfrontieren Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin damit. Dies heißt jedoch nicht, dass Sie in den Angriffsmodus schalten – verzichten Sie auf Vorwürfe, Anschuldigungen und Beschimpfungen. Sie haben eine Vermutung, keine eindeutigen Beweise. Setzen Sie sich mit dem Verdacht auseinander. Eine erfüllende Partnerschaft basiert auf Vertrauen und Offenheit. Sollten Sie zu dem Schluss gelangen, dass Sie die Wahrheit gar nicht wissen möchten, dann hören Sie auf, nach Hinweisen zu fahnden. 

     

    Liegt kein konkreter Verdacht auf Untreue vor und Sie können trotzdem nicht aufhören, Ihren Partner oder Ihre Partnerin zu kontrollieren und leiden Sie darunter? – Vertrauen Sie sich einer Person aus Ihrem Umfeld an oder suchen Sie eine Beratungsstelle auf. Die Grenzen zwischen normaler und krankhafter Eifersucht sind fließend und das Kontrollverhalten kann sich verstärken, auch wenn sich keine realen Anhaltspunkte finden.

     

    1. Suchen Sie die Schuld für schlechte Laune des Partners vor allem bei sich?

    Kennen Sie das?
    Sie kommen abends vom Sport nachhause und Ihre Partnerin oder Ihr Partner tippt mit finsterer Miene auf dem Smartphone herum. Sofort beginnen Sie mit schlechtem Gewissen bei sich nach einem Fehler im Verhalten zu fahnden. Die Unsicherheit nimmt noch zu, wenn Sie nach dem Grund für die gedrückte Stimmung fragen und keine Antwort erhalten. Die nächsten Stunden verlaufen sorgenvoll und quälend. Sie würden gerne Klarheit schaffen und die Harmonie wieder herstellen, sehen jedoch keine Möglichkeit dazu.

    Das können Sie tun:

    Überlegen Sie sich, welche Ursachen die schlechte Stimmung ausgelöst haben könnte, die nichts mit Ihnen zu tun haben. Üben Sie den Gedankenstopp. Das Grübeln mündet in einen Teufelskreis: Negative Gedanken produzieren negative Gefühle und diese wirken sich auf die Gedankengänge aus. Für eine halbwegs realistische Einschätzung der Situation müssen Sie diesen Kreislauf durchbrechen.

    Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, wenn Sie Ihr Selbstwertgefühl stärken. 

     

    Eifersucht – ein Thema nur für Paare?

    Gestresstes Paar auf einer Bank
    Gestresstes Paar auf einer Bank

    Die Fragen aus dem vorhergehenden Abschnitt beleuchten Eifersucht in erster Linie innerhalb einer Partnerschaft. 

    Müssen Sie sich als Single also nicht damit beschäftigen? Doch! Haben Sie sich schon ertappt, wie Ihnen der Anblick eines verliebten Pärchens einen Stich versetzt? Oder dass sich regelmäßig ein nagendes Gefühl einstellt, sobald Sie ein bestimmtes Paar aus dem Freundeskreis treffen? Haben Sie bereits überlegt, dieses Paar auseinanderzubringen und den Mann oder die Frau für sich zu gewinnen?  

    Eifersucht und Neid begleiten uns – das Gefühl lässt sich nicht abschalten. Deshalb zeigen wir Ihnen nun alltagstaugliche Strategien, um die Eifersucht im Zaum zu halten. 

     

    Strategien im Umgang mit Eifersucht 

     

    Gleich vorweg: Ein bisschen Eifersucht ist kein Grund zur Sorge. Solange das Gefühl die Partnerschaft nicht belastet, sondern nur hin und wieder kurz aufflackert, können Sie es als Hinweis auf Ihre Liebe betrachten. Sobald es schmerzt, sollten Sie es genauer analysieren.

    Hier nun einige Anregungen und Tipps:  

    Verlustangst überwinden

     

    Nicht alle Menschen reagieren im selben Maße eifersüchtig. Wer das eigene Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl (fast) ausschließlich von der Zuwendung des Partners oder der Partnerin abhängig macht, ist besonders anfällig für übertriebene Eifersucht. 

     

    Die Ursache dafür kann eine Psychotherapie beleuchten. 

     

    Menschen, die sich selbst wertschätzen und an sich glauben, leiden weniger unter Verlustängsten. Lernen Sie, sich weniger von der Meinung anderer abhängig zu machen. Ihr Wert als Mensch hängt nicht davon ab, wie beliebt Sie bei Anderen sind. 

     

    An dieser Stelle kann die Arbeit an sich selbst die Lebensqualität nachhaltig verbessern. Wagen sie das Abenteuer, sich selbst wirklich kennenzulernen! Sie werden verschiedene Facetten Ihrer Person kennenlernen – sympathische und unsympathische. Treten Sie die Reise zu sich selbst mit einer wohlwollenden, akzeptierenden Haltung an. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Tappen Sie NICHT in die Falle einer persönlichen Leistungsbeurteilung, indem Sie positive Eigenschaften als Erfolg und negative Züge als Scheitern bewerten. 

    Je besser Sie sich kennen und mit sich Freundschaft schließen, desto leichter fällt es Ihnen, selbst für ihre Zufriedenheit zu sorgen. – Der beste Weg zu mehr Selbstbewusstsein und Souveränität in der Partnerschaft und als Single.

    Selbstbewusstsein stärken

     

    Das Selbstbewusstsein stellt eine tragende Säule für ein zufriedenes Leben dar – egal ob Sie in einer Beziehung leben oder „solo“ Ihren Alltag meistern.

     

    Gerade weil dieser Aspekt so wichtig ist, beschäftigen wir uns ausführlich damit.

     

    Stabiles Selbstwertgefühl in der modernen, komplexen Welt

     

    Die globalisierte, eng vernetzte und auf Wettbewerb basierende Welt stellt unser Selbstbewusstsein und unsere Beziehungen auf eine besondere Probe.   

     

    Leistung und Partnerschaft

     

    In Leistungsgesellschaften spielen Vergleich und Wettbewerb eine herausragende Rolle. Folglich wirken diese Faktoren auch in den privaten Bereich hinein. Es gilt, achtsam zu sein, um sich nicht in allen Lebensbereichen über Leistung zu definieren. Dauernder Vergleich mit Geschlechtsgenossen ist ein idealer Nährboden für Eifersucht. Es wird immer eine Person im Umfeld geben, die attraktiver, intelligenter, mutiger oder kreativer erscheint als man selbst. Ständiger Wettbewerb erschöpft, mindert das Selbstwertgefühl und führt im zwischenmenschlichen Bereich oft nicht zum gewünschten Ergebnis. 

     

    Die meisten Menschen suchen Geborgenheit und Zusammenhalt in der Beziehung – das gilt für Paare genauso wie für Freundschaften. Wer den Fokus zu sehr auf Leistungsaspekte fixiert, schneidet beim Vergleich einzelner Merkmale oft weniger gut ab. Für die Partnersuche gilt: Wer nach dem optimalen (attraktiven, gebildeten, beruflich erfolgreichen) Partner sucht, hat dabei vielleicht Erfolg. Ob diese Person auch die Passende für eine dauerhafte, glückliche Beziehung ist, steht auf einem anderen Blatt. 

    FAZIT: Klären Sie Ihre Erwartungen.

    Wie viel Zeit für intime Gespräche und gemeinsame Aktivitäten brauchen Sie, damit Sie sich in der Beziehung wohlfühlen? Wie wichtig sind Ihnen soziales Ansehen und materieller Besitz? Menschen, die beruflich sehr eingebunden sind, werden einen Großteil ihrer Energie in diesen Bereich stecken. Das Privatleben muss hinten anstehen. Deshalb: Wo liegen Ihre Prioritäten? 

    Hier geht es nicht darum, dass Sie Ihre Werte und Bedürfnisse beurteilen. Sie sollten sie kennen, um bei der Partnersuche die richtige Entscheidung für sich zu treffen. 

     

    Selbstoptimierung und Selbstwert

     

    Wir können uns weiterentwickeln, unsere Talente erforschen und an uns „arbeiten“. Das Internet quillt über mit Angeboten für Life-Coachings, Wege zum Traumjob und Workouts für den perfekten Körper. Das wachsende Interesse an der Schönheitschirurgie stellt nur die Spitze des Eisberges dar. 

     

    Wenn Sie sich für derartige Angebote interessieren, überlegen Sie genau, was Sie sich davon erwarten. Die positive Energie der Anbieter wirkt ansteckend und mitreißend. 

    Wer sich selbst optimiert zeigt gleichzeitig: Ich bin nicht gut genug.

    Eine Schönheits-OP etwa sendet die unterschwellige Botschaft, nicht hübsch genug zu sein. Natürlich beflügelt es, diese Optionen zu nutzen, weil die finanzielle Basis dafür vorhanden ist. Dies sollte jedoch nicht der entscheidende Grund sein.

     

    Seien Sie diesbezüglich immer ehrlich zu sich selbst und entscheiden Sie auf dieser Grundlage, welchen Weg Sie einschlagen. 

     

    Ein Beispiel aus der psychologischen Praxis: Eine Ehefrau wurde bereits mehrmals von Ihrem Mann betrogen. Die Familie ist vermögend und die Frau begann, die von ihr als Makel wahrgenommenen Körperstellen operativ zu verändern. Das Ergebnis: Der Mann gab seine Affären nicht auf. Inzwischen ist die Frau siebzig Jahre alt und muss mit weiteren Operationen die Folgen der vorangegangenen Eingriffe kaschieren. Sie fühlt sich in ihrem Körper nicht wohl. 

     

    Diese Erfahrung zeigt: Es gibt auch im Bereich der Selbstoptimierung ein „Zuviel des Guten“. 

     

    Stetiger Wandel, Selbstbewusstsein und Identität

     

    Die Fragen „Wer bin ich?“, „Welchen Sinn hat mein Leben?“ und „Wo ist jetzt mein Platz in dieser Welt?“ deuten weder auf zu große Ich-Bezogenheit noch auf narzisstische Tendenzen hin. Vielmehr handelt es sich um Fragen nach der eigenen Identität – und die ist für den Menschen existenziell.

     

    Mobil und flexibel zu sein ist der Imperativ des digitalen Zeitalters. Veränderung bedeutet Unsicherheit und löst bei vielen Menschen Ängste aus. Ein stabiles Selbstbewusstsein fördert einen optimistischen Blick in die Zukunft und vergrößert damit den Handlungsspielraum. Psychologen sprechen von Selbstwirksamkeit.

     

    Was hat das mit dem Thema Beziehung zu tun? – Nun: Privatleben und Beruf sind heute weniger klar getrennt als noch vor zwanzig Jahren. Die klassische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau nicht mehr eindeutig zu unterscheiden. Gleichzeitig hat die Leistungsorientierung zugenommen. Wer seinen Selbstwert eng an Leistung und Erfolg koppelt, den treffen Niederlagen besonders hart. 

     

    Berufliche Misserfolge dämpfen das Selbstbewusstsein. Das wiederum kann dazu führen, dass Sie sich in der Beziehung plötzlich weniger begehrenswert fühlen und eifersüchtig reagieren, wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin alleine unterwegs ist oder sich in Ihrem Beisein angeregt unterhält.  

    Die Gegenstrategie: Planen Sie regelmäßige Auszeiten in Ihr Leben ein. Das können Wanderungen oder Klosteraufenthalte sein. Genauso wirksam ist regelmäßige Meditation und Zeiten der Stille. Immer wieder bei sich anzukommen bedeutet in der heutigen Zeit, aktiv für ein gesundes Selbstwertgefühl und psychische Resilienz zu sorgen. Damit reduzieren Sie auch Ihr Burnout-Risiko.

     

    Eifersucht und Partnersuche

     

    Mit dem Worldwide Web flattern in jedem Augenblick neue Inspirationen ins Wohnzimmer. Menschen auf Partnersuche müssen auf dieses Phänomen genauso reagieren wie Personen in einer festen Beziehung. 

     

    Hier die wichtigsten Aspekte, die eine Rolle spielen:

     

    • Klarheit:
      Welche Priorität hat eine Beziehung für beide Seiten? Die moderne Welt bietet unzählige Möglichkeiten. Dem steht nicht nur die beschränkte Zeit gegenüber, sondern auch die Grenzen unserer psychischen Ressourcen, wie der Nachhaltigkeitsforscher Prof. Niko Paech erklärt. [2]

      Ob Sie zu dieser Gruppe zählen, können Sie sich leicht selbst beantworten: Wie viele Gegenstände haben Sie gekauft und noch nicht ausprobiert oder genutzt, weil Sie „noch nicht dazu gekommen“ sind? Im Laufe seiner Entwicklung hat der Mensch gelernt mit Mangel umzugehen und zu überleben. Die moderne Überflussgesellschaft stellt ihn vor ganz andere Herausforderungen. Für ein erfülltes Leben muss er seine Bedürfnisse, Interessen und seine Grenzen erforschen, um die richtigen Prioritäten zu setzen. Die Beziehung sollte bei beiden Partnern ungefähr an der gleichen Stelle auf der Prioritätenliste stehen. Ansonsten wächst die Gefahr, dass sich Eifersucht in der Beziehung (zu) breit macht.

     

    • Partnersuche:
      Setzen Sie bei der Partnersuche auch auf seriöse Online-Angebote. Der Algorithmus kann die Ergebnisse filtern und Ihnen passende Partnervorschläge präsentieren. Erste Ergebnisse deuten entsprechend auch darauf hin, dass Online-Paare zufriedener mit Ihrer Beziehung sind als Menschen, die ihren Partner oder ihre Partnerin auf klassischem Weg kennengelernt haben.

     

    • Partnerschaft:
      Auch innerhalb der modernen Partnerschaft lauern Fallstricke. Ein interessantes Jobangebot, Standortwechsel der Firma oder neue Hobbys fordern das Paar heraus, sich für die Beziehung besonders zu engagieren. Deshalb ist es so wichtig, dass sich beide Partner in der Wertigkeit der Beziehung einig sind. Es kann gut sein, dass der Partner auf eine Beförderung verzichtet, weil die gemeinsame Zeit zu sehr darunter leiden würde. 

    PS: Wenn Sie eifersüchtige Reaktionen bei sich wahrnehmen, ärgern Sie sich nicht. Sie sind damit nicht alleine. Das Gefühl verschont nicht einmal das Tierreich, wie ein Experiment an der Universität San Diego/USA zeigt: Hunde reagierten eifersüchtig, wenn Herrchen oder Frauchen sich mit einem Stoffhund beschäftigten.  

    Alles Gute für Sie!

     

    Zum Weiterlesen:

    Merkle, Rolf (2013): Eifersucht: Vertrauen lernen – die Angst nicht geliebt zu werden, überwinden. PAL-Verlag.

    Kast, Verena (2018): Immer wieder mit sich selber eins werden: Identität und Selbstwert entwickeln in einer komplexen Welt. Patmos Verlag.

    Kast, Verena  2015): Über sich hinauswachsen. Neid und Eifersucht als Chance für die persönliche Entwicklung. Patmos Verlag.

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    Susanne Schmieder

    Autorin: Susanne Schmieder

    Psychologin
    Mit Worten jonglieren, den richtigen Ton treffen und die Leser wertvoll informieren - das macht mir großen Spaß. Als Diplom-Psychologin verfasse ich hilfreiche und nützliche Fachartikel. Das bedeutet für mich Faszination und Herausforderung zugleich.

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