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Freundschaft: Eine Verbindung, die das Leben verändert

Sie lachen und weinen mit uns, kennen meist unsere intimsten Geheimnisse und bieten Halt, wenn es mal schwierig wird: gute Freunde. Auch Sozialwissenschaft und Medizin beschäftigen sich mit der Bedeutung dieser besonderen Verbindung, um die mentalen und körperlichen Auswirkungen von Freundschaften zu verstehen. Was die Forschung längst aufgedeckt hat: Der Mensch ist ein soziales Wesen – und wer gute Freunde sein Eigen nennt, kann sich deshalb glücklich schätzen. Die Herausforderung besteht jedoch darin, die richtigen Freunde zu finden. Was Freundschaft bedeutet, nach welchen Kriterien wir uns unsere Freunde aussuchen und wie Sie langfristig gesunde Bindungen aufbauen – lesen Sie es hier nach.

4 Frauen stehen nebeneinander und lachen
4 Frauen stehen nebeneinander und lachen

Unsere Beiträge sind sehr ausführlich. Bitte nutzen Sie daher zur besseren Navigation das Inhaltsverzeichnis. Sollten Sie ergänzende Anregungen oder eigene Erfahrungen zum Thema besitzen? Freuen wir uns natürlich sehr über ein entsprechendes Kommentar am Ende des Beitrages.  

Wir wünschen eine inspirierende Lektüre!

Inhaltsverzeichnis
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    Freundschaften beruhen vor allem auf zwei wesentlichen Merkmalen, mit denen die meisten Menschen sich verbinden können: Sympathie und Vertrauen. Das Bedürfnis nach Nähe zu einem bestimmten Menschen setzt voraus, dass wir eine gewisse Zuneigung empfinden, bevor wir Vertrauen aufbauen. Beispiel: Sie treffen zufällig eine fremde Person. Merken Sie, dass Sie diesen Menschen eigentlich „ganz sympathisch“ finden, ist der erste Schritt bereits getan.

     

    Denn der Grundstein für den nächsten Schritt – Vertrauen aufbauen – wurde soeben gesetzt. Das bestätigt auch die Hirnforschung: Erleben wir emotionale Glücksmomente mit einem anderen Menschen, schütten wir bestimmte Hormone aus. Die größte Rolle spielt dabei das Hormon Oxytocin, auch bekannt als „Bindungshormon“. (1) Unser Körper schüttet Oxytocin typischerweise bei sozialen Begegnungen oder auch Berührungen aus. Es sorgt beispielsweise für eine Bindung zwischen Mutter und Säugling oder zwischen zwei Liebenden, wenn diese miteinander kuscheln. Binden wir uns, beginnen wir auch damit, dem anderen zu vertrauen. 

     

    Nun wissen wir: Vertrauen spielt eine entscheidende Rolle für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Freundschaften. Für die meisten Menschen bedeutet das zum Beispiel, sich mit dieser einen Vertrauensperson austauschen zu können. Um diese besondere Verbindung besser zu verstehen, gilt es, die genaue Definition von Freundschaft (im wissenschaftlichen Sinn) zu kennen.

     

    Der Ansatz der Freundschaftsforschung heute und das Ergebnis aus Befragungen (2): Freunde suchen wir uns in erste Linie immer selbst aus und die Bindung beruht nicht auf einer sexuellen Zuneigung. Das bedeutet zugleich, dass hier die Rede von der klassischen Freundschaft ist – nicht aber von Familie, Verwandtschaft oder dem Partner. Auch wenn wir oft mit Menschen, die zu diesem Personenkreis gehören, natürlich eine „freundschaftliche Beziehung“ pflegen.

    Die wesentlichen Merkmale des Kennenlernens:

    • Sympathie und Vertrauen: Bevor wir uns binden, muss eine gewisse Zuneigung vorhanden sein.
    • Bindungshormone: Oxytocin sorgt dafür, dass unser Bedürfnis nach Bindung steigt, wenn wir jemanden sympathisch finden.
    • Zufallsbegegnungen und Glückshormone: Freundschaften können immer auch zufällig mit Fremden entstehen, wenn die „Chemie“ zwischen Ihnen passt.
    • Freie Wahl: Freunde suchen wir uns selbst aus. Freundschaften (im klassischen Sinne) beruhen nicht auf einer sexuellen Verbindung oder auf Verwandtschaft.

     

    In der folgenden Umfrage ist wunderbar ersichtlich, welche Besonderheiten eine gute Freundschaft ausmachen.

    Infografik: Die wichtigsten Eigenschaften einer guten Freundschaft

    Die wichtigsten Eigenschaften guter Freundschaft | Grafik: ALL4SINGLES | Quelle: https://de.statista.com

    Infografik: Die wichtigsten Eigenschaften einer guten Freundschaft

    Die wichtigsten Eigenschaften guter Freundschaft | Grafik: ALL4SINGLES | Quelle: https://de.statista.com

    Was genau ist Freundschaft überhaupt? 

     

    Bester Kumpel, Sandkastenfreundin, Seelenverwandter – wir benutzten unterschiedliche Begriffe, um die Verbindung zu einem guten Freund oder zu einer engen Freundin zu beschreiben. Was wir jetzt wissen: Das Wesen der Freundschaft beruht auf einer freiwilligen Verbindung mit einem Menschen, den wir mögen und dem wir vertrauen. Aus biologischer Sicht ist jetzt außerdem klar, dass das Gehirn darauf trainiert ist, nach Bindungsmöglichkeiten Ausschau zu halten und Signale auszusenden, wenn es potenzielle Partner erkennt. Da Freundschaften in der Regel jedoch nicht auf sexueller Anziehung beruhen, steckt dahinter nicht der Fortpflanzungstrieb. Die soziologische Forschung wählt den folgenden Ansatz: Freunde suchen wir uns vor allem, weil sie uns bei unserer Identitätsfindung innerhalb einer Gruppe unterstützen und unsere Zugehörigkeit bestätigen. Anders gesagt: Wir umgeben uns gern mit Menschen, die uns wertschätzen. Gute Freunde pushen unser Selbstwertgefühl, was unser Bedürfnis nach Selbstbestätigung sowie Sicherheit erfüllt. Sie tun uns also gut.

     

     

    Diese Bedeutung hat Freundschaft für unser Leben

     

    Brechen wir wissenschaftliche Feststellungen auf unseren Alltag herunter, ist Freundschaft eigentlich viel einfacher: Einen guten Freund zu haben, bedeutet, dass dieser Sie bei Liebeskummer tröstet, mit Ihnen ins Kino geht oder Ihnen Geld leiht, wenn Sie in Not sind. Es bedeutet, dass Sie jemanden haben, dem Sie Ihre Probleme anvertrauen. Es bedeutet auch, dass Sie selbst Verantwortung tragen, einen Rat geben, wenn er gebraucht wird oder Sie sich gemeinsam über etwas „auskotzen“. Kurz gesagt: Eine Freundschaft erfüllt verschiedene soziale und menschliche Bedürfnisse. Vor allem bedeutet die besondere Verbindung aber, dass Sie Ihren Freund so nehmen, wie er ist. Und dass Sie so sein dürfen, wie Sie sind. Sie bestätigen sich gegenseitig in Ihrer „Identität“, wie Sozialforscher beschreiben. 

    Diese Bedeutung haben Freundschaften für Menschen im Wesentlichen:

    • Trost spenden
    • Helfer in Not sein
    • Gemeinsam lachen
    • Zusammen fluchen
    • Zuhören
    • Ratschläge erteilen (bei Bedarf)
    • Persönlichkeit des anderen unterstützen, bestätigen

     

    Wie suchen wir uns unsere Freunde aus?

     

    Es klingt banal: Wir suchen uns unsere Freunde zufällig aus, weil sie zur selben Zeit am selben Ort sind. Das hat eine Forschung der Universität Leipzig ergeben. Konkret bedeutet es, dass wir uns häufig und gern mit unseren Nachbarn, Kommilitonen oder auch Arbeitskollegen anfreunden, weil sie gerade dort sind, wo wir uns auch aufhalten. Es handelt sich jedoch nicht ausschließlich um eine zufällige Wahl. Auch ähnliche Schicksale, die eigene Herkunft, das gleiche Alter sowie ähnliche Interessen genügen oft als Gemeinsamkeit, um beim Kennenlernen festzustellen, dass Potenzial für eine tiefere Verbindung vorhanden ist. Weitere Faktoren: ein ähnliches Bildungsniveau oder ein vergleichbares Einkommen.

     

    Gut zu wissen: Wir wählen nicht unbedingt Freunde aus, die uns von der Persönlichkeit her ähneln – das sagt die psychologische Forschung zum Thema Freundschaft. Obwohl Sie also viele Gemeinsamkeiten mit Ihren Freunden haben können, bedeutet es nicht zwangsläufig, dass sie sich charakterlich ähneln. Die These begründen Psychologen damit, dass uns Charaktere, die anders als wir sind, persönlich bereichern können. Sie zeigen uns beispielsweise unbekannte Perspektiven und Problemlösungen, die wir bisher nicht kannten. Das führt wiederum dazu, dass Sie Ihren eigenen Horizont erweitern.

    Nach diesen Kriterien suchen wir uns unsere Freunde also aus:

    • ähnliche Schicksale, Situationen
    • Menschen im selben Alter
    • vergleichbares Bildungsniveau oder Einkommen
    • ähnliche Interessen
    • dieselbe Herkunft
    • ähnliche Einstellungen und Werte

     

    Welche Unterschiede gibt es zwischen Frauen- und Männerfreundschaften?

    4 Hände nebeneinander
    4 Hände nebeneinander

    Obwohl es auch Freundschaften zwischen Männern und Frauen gibt, überwiegen gleichgeschlechtliche Freundschaften seit jeher. Das heißt: Die meisten Mädchen suchen sich im Kindergarten- und Schulalter Mädchen als Freundinnen aus und Jungs tendieren zu dem männlichen Geschlecht. Diese Tendenz behalten wir uns auch im Erwachsenenalter bei. Dennoch gibt es einige Unterschiede in der Art, wie die jeweiligen Geschlechter Freundschaften führen. Was Forscher glauben: Frauen legen besonders großen Wert auf mitfühlende, emotionale Unterstützung im Alltag und suchen häufiger den persönlichen Austausch mit ihren Freundinnen. Männerfreundschaften zeichnen sich hingegen durch das Leisten von praktischer Unterstützung im Alltag oder beispielsweise durch gemeinsame Interessen, wie etwa Sport, aus. 

     

    An der Universität von Oxford ergaben psychologische Untersuchungen, dass Frauen ihre Freundschaften auch durch den Austausch von Nachrichten sowie mit der Hilfe von regelmäßigen Telefonaten im Alltag pflegen, während Männer ein persönliches Treffen für eine gemeinsame Unternehmung bevorzugen (3) und ihren Austausch per Smartphone auf das Wesentliche reduzieren. Das erklärt, warum es vielen Frauen häufig einfacher fällt, ein stundenlanges Telefonat mit der besten Freundin zu führen, während Männer es kurz und knapp halten. 

     

    Wichtig: Ausnahmen bestätigen die Regel. Was Sie nicht vergessen sollten, ist, dass es sich um geschlechtsspezifische Merkmale und Tendenzen handelt, die nicht immer zutreffen müssen.

    Die wesentlichen Merkmale der Geschlechter:

    • Gleiches Geschlecht: Frauen und Männer tendieren (in der Mehrzahl) zu einer Freundschaft mit ihrem eigenen Geschlecht.
    • Freundschaften zwischen Männern: Männer legen oft Wert auf gemeinsame Interessen und Freizeitaktivitäten.
    • Freundschaften zwischen Frauen: Die emotionale Nähe spielt in Frauenfreundschaften eine bedeutende Rolle.
    • Ausnahmen: Nicht immer treffen alle Merkmale auf jede Art von Frauen- oder Männerfreundschaft zu.

     

    Welchen Unterschied gibt es zwischen Freundschaften von heute und früher?

     

    Schon in der griechisch-römischen Antike beginnen Dichter und Politiker damit, das Thema Freundschaft in ihren Werken zu thematisieren. Tatsächlich gab es zu der Zeit offiziell jedoch nur die „Freundschaft zwischen Männern“, da es sich meist um zweckgebundene Bündnisse handelte. Würden Sie heute in der Antike leben, hätten Sie sich beispielsweise mit Ihrem vertrauensvollen Kumpel zusammengetan, um politische oder sozioökonomische Vorteile aus der Verbindung zu ziehen. Es handelte sich schon damals um das Prinzip „Geben und Nehmen“ – nur eben etwas anders. 

     

    Während der Industrialisierung entstehen Freundschaften viel schneller: Orte werden urbaner, die Mobilität steigt. Jetzt bekommt das gesellige Miteinander eine ganz neue Bedeutung. Schließlich kommt noch das Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung. Heute wissen wir: Freundschaften funktionieren auch mit den neuen Infrastrukturen, Menschen vernetzen sich schneller und bleiben über Social Media und Co. in Kontakt. Ob die digitalen Möglichkeiten sich ausschließlich positiv auf unser Sozialverhalten auswirken und wie sie die Wahl unserer Freunde beeinflussen, steht jedoch noch nicht fest. 

     

    Freundschaften im Zeitalter von Social Media und Co.

     

    Heute kommuniziert ein Großteil der Gesellschaft mit der Hilfe von digitalen Apps. Das beginnt bereits im Kindes- und Jugendalter: 36 Prozent der 8- bis 9-jährigen Kinder nutzen heute einen digitalen Messenger zum Schreiben von Nachrichten. Bei den 12- bis 13-Jährigen sind es ganze 83 Prozent – so das Ergebnis der KIM-Studie 2018 vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs)(4). Durchschnittlich seien die Kinder dabei 45 Minuten am Tag online, um sich beispielsweise mit Freunden auszutauschen. 

     

    Dass wir heute schneller und einfacher erreichbar sind, wirkt sich auch auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Vielleicht kennen Sie es: Sie scrollen sich durch einige Social Media Profile und entdecken dabei einen Freund aus der Grundschule oder den Arbeitskollegen von früher. So ist es möglich, dass wir auch alte Freundschaften wieder aufleben lassen. Gleichzeitig verspüren viele Menschen einen hohen Erwartungsdruck, wenn sie ständig auf Ihrem Smartphone erreichbar sein müssen. Sind Sie für einige Stunden nicht online gewesen, kann es schon mal passieren, dass Sie den einen oder anderen traurigen Vorwurf eines Freundes einstecken müssen. Das bedeutet also: Sie haben heute viele neue Möglichkeiten, um sich aktiver mit Ihren Freunden auszutauschen – ob vom Sofa aus, während Ihrem Aufenthalt im Büro oder auch wenn Sie am Strand von Bali liegen. Die digitale Kommunikation erfordert jedoch zugleich eine transparentere Kommunikationsart, um Missverständnisse mit Ihren Freunden zu vermeiden und die Beziehung nicht zu belasten.

    Der Unterschied von früher und heute auf einen Blick:

    • Zweckbündnisse: Früher wurden Freundschaften oft geschlossen, um soziale, wirtschaftliche und politische Zwecke zu erfüllen.
    • Männerfreundschaften: Nicht alle unsere Vorfahren haben eine Frauenfreundschaft anerkannt oder für möglich gehalten.
    • Veränderung während der Industrialisierung: Als moderne Infrastrukturen und urbane Orte entstehen, steigt die Mobilität, Menschen vernetzen sich schneller.
    • Digitalisierung: Heute kommunizieren viele über Social Media, Messenger-Services und Co.
    • Veränderung der Kommunikationsart: Über das Internet sind wir heute ständig erreichbar und für andere verfügbar. Um Freundschaften langfristig zu erhalten, bedarf es einer transparenten Kommunikation in Zeiten des Internets, um den Erwartungsdruck zu senken.

     

    Wie kann ich die Kommunikation mit meinen Freunden verbessern?

     

    Psychologische Forschungen der University of Winnipeg (5) zeigen, dass Konfliktvermeidung ein typisches Verhalten in den meisten Freundschaften ist, obwohl eine konstruktive, mitfühlende und offene Aussprache die Beziehung eher erhalten würde. Sicherlich kennen Sie die Situation auch: Ein Freund beantwortet Ihre Nachrichten nicht und Sie fühlen sich im Stich gelassen. Sie haben das Gefühl, Sie seien keine Priorität. Das verletzt Sie und Sie reagieren auch auf keine Nachrichten mehr. Die Beziehung erkaltet und läuft langsam aus. Diese Art von Kommunikation unterscheidet Freundschaften auch von Paarbeziehungen. Letztere enden häufig mit einem klaren Schnitt, während es in Freundschaften gängiger ist, Beziehungen schlichtweg auslaufen zu lassen. 

     

    Um die Kommunikation mit Ihren Freunden zu verbessern, bieten sich folgende Strategien an, die psychologisch erforscht sind und die Qualität der Kommunikation auf das nächste Level bringen: 

     

    1. Aktiv zuhören: Häufig projizieren wir eigene Gedanken und Erlebnisse auf das, was unser Gegenüber uns gerade erzählt. Das ist eine typische Schutzstrategie unseres Gehirns, um Gefahren zu erkennen und zu warnen – was im Moment nicht unbedingt gefragt ist. Konzentrieren Sie sich darauf, wertfrei und möglichst vorurteilsfrei zuzuhören und Ihren Freund oder Ihre Freundin aussprechen zu lassen. Aktives Zuhören kann trainiert werden und verbessert die Kommunikation

     

    1. Rückfragen stellen: Bevor Sie Ihre eigenen Schlüsse ziehen, haken Sie lieber nach. Stellen Sie Rückfragen. Nicht nur, um selbst besser zu verstehen, was Ihr Gegenüber Ihnen sagen möchte. Häufig hilft es auch unseren Freunden, wenn sie ein Problem spezifizieren und das aussprechen können, was ihnen wirklich auf dem Herzen liegt. 

     

    1. Gefühle benennen: Manchmal steigern wir uns in Situationen hinein, wenn wir mit unseren Freunden kommunizieren und merken, dass wir nicht gestillte Bedürfnisse haben. Was jetzt hilft: Benennen Sie Ihre Emotionen und wüten Sie diese nicht alleine im Dunkeln aus. Geben Sie Ihren Freunden die Chance, Sie unterstützen zu dürfen. Erwarten Sie nicht, dass Ihre Freunde Ihre Gedanken lesen können, denn keiner von uns kann das – auch wenn wir es manchmal schaffen, intuitiv auf die Situation zu reagieren. 

     

    1. Rat anbieten, wenn ein Rat gefragt ist: Viele von uns stürzen sich in lösungsorientierte Denkmuster, wenn es einem Freund nicht gut geht. Das ist verständlich, denn schließlich wollen wir helfen. Bedenken Sie: Manchmal möchte Ihr Kumpel oder Ihre beste Freundin einfach nur gehört werden. Das Bedürfnis nach Anteilnahme, Mitgefühl und Rücksicht steht hier im Vordergrund. Bieten Sie Ihren Rat erst an, wenn Ihre Freunde Sie nach Rat fragen. Fallen Sie direkt mit der Tür ins Haus, kann es schnell passieren, dass Ihr Gegenüber sich in ihrem oder seinem Schmerz unverstanden fühlt und sich verschließt. Denken Sie stets daran, dass während der Konversation sicherlich auch noch der Zeitpunkt kommt, zu dem Sie von sich aus einen liebevollen Rat erteilen dürfen.

     

    1. Verantwortung für die eigenen Emotionen übernehmen: Freunde können Emotionen in uns auslösen, wenn sie etwas sagen oder tun. Dann fühlen wir uns beispielsweise wütend, traurig oder ängstlich. Aus psychologischer Sicht steht jedoch fest, dass Freunde – und auch andere Personen aus dem Umfeld – nicht die Ursache eines Problems sind. Wir reagieren lediglich auf etwas, das uns persönlich „triggert“. Das kann zum Beispiel ein Konflikt mit unseren Eltern und ein unerfülltes Bedürfnis aus der Kindheit sein. Um die Kommunikation mit Ihren Freunden zu verbessern, übernehmen Sie deshalb aktiv Verantwortung für Ihre Emotionen und arbeiten Sie an Ihrem persönlichen Schmerz, an den Ursachen – denn der Auslöser ist nicht das Problem. 

    6. Die Kraft der Vergebung kennen: Kommunizieren Sie Konflikte offen mit Ihren Freunden, seien Sie wütend und auch traurig, wenn Sie verletzt sind – aber lernen Sie auch die Bedeutung von Vergebung kennen. Denn das Wunderbare an Vergebung ist: Sie müssen nicht vergeben, um Ihrem Gegenüber ein besseres Gefühl zu geben, sondern um sich selbst ein Stück Frieden zu schenken. Können Sie innerlich abschließen, wirkt sich das positiv auf Ihr eigenes Stresslevel, auf Ihr Gemüt und auf Ihr Leben aus. Andernfalls versinken wir nämlich in unserem eigenen Groll, während die Menschen um uns herum ihr Leben wie gewohnt fortsetzen.

    Wie erkenne ich Freunde, die mich nicht gut behandeln?

     

    Missgunst, Neid, negativer Egoismus, Skrupellosigkeit – es gibt sie, die schlechten Freunde. Schlecht bezeichnet ist in diesem Kontext Menschen, die Ihnen persönlich schaden, Ihnen keinen echten Mehrwert für Ihre persönliche Weiterentwicklung bieten und Sie nicht wertschätzen. Während es einigen Menschen leicht fällt, negativen Einfluss zu erkennen und sich davon zu trennen, leben viele in einer Art Abhängigkeit und können sich nur schwer davon trennen. Die Herausforderung: Handelt es sich um einen Freund, den Sie schon seit vielen Jahren in Ihrem Leben haben, ist die emotionale Nähe häufig größer.

    Düsteres Auge in Dunkelheit
    Düsteres Auge in Dunkelheit

    Wie können Sie schlechte Freunde erkennen? Es gibt einige typische Eigenschaften und Merkmale, an denen Sie festmachen, ob es sich um einen positiven oder negativen Einfluss handelt: 

     

    1. Verbale Gewalt: Beleidigungen und Drohungen haben in echten Freundschaften keinen Platz. Merken Sie, dass Ihr Freund Sie abfällig und respektlos behandelt, denken Sie über einen klaren Cut nach. 

     

    1. Emotionale Erpressung: Drohen Ihre Freunde Ihnen mit einem Freundschaftsentzug, wenn Sie bestimmte Erwartungen nicht erfüllen, handelt es sich um emotionale Erpressung. Schreiben Sie Menschen ab, die mit Ihren Gefühlen spielen und Ihre Schwachpunkte ausnutzen. 

     

    1. Das Ausnutzen Ihrer Gutmütigkeit: Sie haben ein großes Herz und das schätzt Ihr Umfeld? Dem ist nicht immer so. Verlernen Sie es nicht, auf eigene Bedürfnisse zu hören, um sich nicht ausnutzen zu lassen. Es gibt Menschen, die sich rücksichtslos an Ihrer Gutmütigkeit bedienen. 

     

    1. Vertrauensmissbrauch: Wenn Ihnen ein Freund etwas anvertraut, hüten Sie das Geheimnis und laufen damit nicht zu Ihren Arbeitskollegen oder Nachbarn. Einige Plappermäuler haben die Angewohnheit, Geheimnisse einfach auszupacken – vor den Augen und Ohren anderer Menschen. Merken Sie, dass jemand Ihr Vertrauen missbraucht, um Pluspunkte als Entertainer zu sammeln oder sich bei anderen beliebt zu machen, sollten Sie es sich zweimal überlegen, wem Sie Ihre Probleme anvertrauen. 

     

    1. Desinteresse: Jeder wünscht sich einen guten Freund, der Anteil am eigenen Leben nimmt und echtes Interesse zeigt. Sie merken, dass die Anteilnahme nur von Ihrer Seite aus kommt? Sprechen Sie diesen Punkt an. Wer einsichtig ist und sich um Sie bemüht, verdient eine Chance – und so bauen Sie emotionale Nähe auf. Ist dem nicht so, verschwenden Sie keine Zeit. Schenken Sie sich selbst genug Wertschätzung, um sich jetzt davon zu lösen.

     

    1. Unaufrichtigkeit: Lügende Menschen können Sie getrost aus Ihrem Leben verbannen. Klar, jeder greift ab und zu auf eine Notlüge zurück. Wird das jedoch zur Gewohnheit, müssen Sie das so nicht hinnehmen. Beschäftigen Sie sich lieber mit den Menschen in Ihrem Leben, die Ihnen Aufrichtigkeit schenken und Ihren Alltag so bereichern.

     

    1. Eifersucht, Missgunst und Neid: Sie freuen sich für Ihre Freunde, wenn diese eine erfreuliche Nachricht mit Ihnen teilen. Falsche oder gespielte Freude erkennen Sie daran, dass Ihr Erfolg infrage gestellt oder mit spitzen Bemerkungen herabgestuft wird. Oft passiert das in Form von indirekten Bemerkungen, die beispielsweise nach einer Gratulation folgen. Zweifeln Sie Ihren eigenen Erfolg nicht an, sondern verzichten Sie auf Menschen, die Ihnen diesen nicht gönnen.

    Zusammenfassend heißt das:

    • an sich selbst arbeiten
    • den Austausch suchen, um Missverständnisse zu vermeiden
    • um Rücksicht bitten, wenn Ihnen gerade nach Ruhe ist
    • Wertschätzung und Dankbarkeit aussprechen

    Fazit: Freundschaften bereichern uns, wenn wir die richtigen Menschen in unserem Leben haben

     

    Sicherlich haben Sie gemerkt, dass Freundschaften viel komplexer sein können, als Sie es sich vorgestellt haben. Haben Sie gute Freunde an Ihrer Seite, gehören Sie zu den glücklichen Menschen, die in den Genuss von einer ganz besonderen Verbindung kommen. Denken Sie jedoch daran: Meistens können wir gute Freunde an einer Hand abzählen und manchmal zählen wir auch nur einen bestimmten Menschen als engen Freund – was völlig okay ist. Schließlich handelt es sich um eine Beziehung, die sie pflegen müssen und an der Sie gemeinsam arbeiten. Haben Sie keine Scheu, wenn es darum geht, Ihre Bedürfnisse auszusprechen. Angst, Wut und Verzweiflung sowie ein distanziertes Verhalten entstehen oft aus einem Mangel heraus. Eine offene Kommunikation schafft Klarheit – und starke Freundschaften halten Konflikte aus. Übrigens: Mediziner sind fest davon überzeugt, dass sich die Nähe eines guten Freundes positiv auf unsere Gesundheit auswirkt. Halten Sie sich in einem Raum mit einer geliebten Person auf, kann das Ihren Blutdruck stabilisieren und Stress reduzieren. Gute Gründe also, um sich heute bei Ihrem Freund oder bei Ihrer Freundin für Ihre gemeinsame Freundschaft zu bedanken.

     

    Viel Erfolg auf Ihrem weiteren Weg!

    Quellen:

    (1) https://www.psychologie.uni-freiburg.de/Members/heinrichs/

    Artikel: Oxytocin Increases Trust in Humans Nature

    (2) https://pdfs.semanticscholar.org/9b1e/1e184156e925de17f2a4ed4caede72d1a0f4.pdf

    (3) https://www.theguardian.com/science/2017/feb/20/key-to-keeping-friendships-alive-different-for-men-and-women-scientists-say

    (4) mpfs.de/fileadmin/files/Studien/KIM/2018/KIM-Studie_2018_web.pdf 

    (5) https://www.spektrum.de/news/die-gesetze-der-freundschaft/1190912

    (6)https://emmons.faculty.ucdavis.edu/wp-content/uploads/sites/90/2015/08/2003_2-Emmons_McCullough_2003_JPSP.pdf

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    Autor: All4Singles

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