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Neue Partnerschaft als Weg aus der Einsamkeit?

Oberflächlich betrachtet scheint die Rollenverteilung klar: Auf der einen Seite tummeln sich die glücklichen Paare, während Singles auf der anderen Seite längere Phasen der Einsamkeit durchstehen müssen.

 

Stimmt das wirklich? Und: Kann eine Partnerschaft vor Einsamkeit schützen? 

 

Die folgenden Abschnitte beleuchten dieses Thema von unterschiedlichen Seiten und zeigen, was Singles aus der Zeit ohne Partner für die nächste Beziehung lernen können und welche Faktoren dazu beitragen, dass sich ein Mensch in einer Partnerschaft nicht einsam fühlt.

Frau Blickt Einsam
Frau Blickt Einsam

 

Unsere Beiträge sind sehr ausführlich. Bitte nutzen Sie daher zur besseren Navigation das Inhaltsverzeichnis. Sollten Sie ergänzende Anregungen oder eigene Erfahrungen zum Thema besitzen? Freuen wir uns natürlich sehr über ein entsprechendes Kommentar am Ende des Beitrages.  

Wir wünschen eine inspirierende Lektüre!

Inhaltsverzeichnis
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    Einsam oder allein: Worin liegt der Unterschied? 

     

    Der Mensch ist ein soziales Wesen. Für ein gesundes Leben braucht er die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft genauso dringend wie Nahrung. Länger andauernde Einsamkeit führt Menschen in eine existenzielle Not. Darum ist es so wichtig, dass Sie dieses Gefühl erkennen und verstehen.

    Das Gefühl der Einsamkeit entsteht, wenn die Zahl der Kontakte oder die Qualität der Beziehungen geringer ist, als das persönliche Bedürfnis danach. Wenn Sie sich eine enge Beziehung mit tiefgehenden Gesprächen wünschen, jedoch überwiegend oberflächliche Kontakte pflegen, können Sie sich einsam fühlen – obwohl sie mit anderen Menschen in geselliger Runde zusammensitzen.

     

    In der folgenden Umfrage ist wunderbar ersichtlich, wie viel Einfluss Einsamkeit auf uns hat. Betroffene fühlen sich zwar einsam, sind mit diesem Gefühl aber ganz und gar nicht alleine.

    Statistik über Einsamkeit und Problembewusstsein

    Einsamkeit und Problembewusstsein in Deutschland | Grafik: ALL4SINGLES | Quelle: https://www.infratest-dimap.de

    Statistik über Einsamkeit und Problembewusstsein

    Einsamkeit und Problembewusstsein in Deutschland | Grafik: ALL4SINGLES | Quelle: https://www.infratest-dimap.de

    Das Beispiel zeigt: Einsamkeit und Alleinsein sind nicht dasselbe. Im Gegensatz zur Einsamkeit, beschreibt der Ausdruck „alleine sein“ eine Situation. Ein Mensch ohne menschliche Gesellschaft ist alleine. Die Sozialpsychologie spricht von sozialer Isolation. Die meisten Menschen haben kein Problem damit, eine gewisse Zeit alleine mit sich zu verbringen. Im Gegenteil: Sie brauchen diese Auszeit, um sich zu erholen. Wie viel Zeit jemand alleine sein kann, ohne sich einsam zu fühlen, hängt unter anderem von der jeweiligen Persönlichkeit und den aktuellen Lebensumständen ab. 

     

     

    Einsamkeit und ihre Folgen 

     

    Einsamkeit gilt in der Medizin als Risiko-Faktor für zahlreiche Erkrankungen. Menschen, die sich einsam fühlen, zeigen ein höheres Stress-Niveau als nicht einsame Personen. Dies zeigt sich an einem erhöhten Cortisol-Spiegel im Blut. 

     

    Cortisol ist ein Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird und den Körper in Alarmbereitschaft versetzt:

    • Der Blutzuckerspiegel steigt. 
    • Das Herz schlägt schneller.
    • Die Atemfrequenz nimmt zu.
    • Die Person nimmt ihre Umgebung aufmerksamer wahr und kann Informationen schneller verarbeiten.

    Diese Mechanismen sicherten der Menschheit das Überleben. Dass Einsamkeitsgefühle den Körper veranlassen, in den Gefahren-Modus zu schalten, erklärt die Wissenschaft so: Menschen lebten im Laufe der Evolution überwiegend in Gemeinschaften zusammen. Die Trennung von der Gruppe bedeutete den Tod. Dieses Muster sitzt in unseren Genen. Deshalb reagiert der moderne Mensch auf Isolation noch genauso wie der erste Homo Sapiens. Einfach abschalten lässt sich dieses Programm leider nicht. 

     

    Die Folgen des erhöhten Cortisol-Spiegels lassen bereits erahnen, welche Krankheiten daraus entstehen können: Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall und Depression. Sogar das Krebsrisiko steigt. Warum? Cortisol hemmt das Immunsystem und damit die Produktion von T-Zellen, den sogenannten Killer-Zellen, die u. a. die Tumorentwicklung verhindern.

    (vgl. https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/so-sehr-kann-uns-einsamkeit-krank-machen/) 

     

    Selbst wenn Sie keine schwere Erkrankung entwickeln, mindert der Stress Ihre Lebensqualität und kann sich chronifizieren. (vgl. https://www.apotheken-umschau.de/laborwerte/cortisol) Das muss nicht sein! In den nächsten Abschnitten zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Lebenssituation in Bezug auf Einsamkeit analysieren und wie Sie mit Einsamkeit umgehen. 

     

     

    Sie fühlen sich einsam?

    Diese Fragen und Aussagen helfen Ihnen, Ihre Situation besser einzuschätzen. 

     

    1. Mögen Sie sich selbst? – Sich selbst zu mögen, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und anzunehmen, ist die Basis für erfüllende Beziehungen. Falls es Ihnen an Selbstwert mangelt, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das Selbstvertrauen zu stärken. Das können Sie tun: Machen Sie sich Ihre Stärken bewusst und schreiben Sie sie auf ein großes Blatt – idealerweise in verschiedenen Farben. Die positiven Eigenschaften nur gedanklich aufzuzählen hilft wenig. Dafür sind Gedanken zu flüchtig.
    2.  Können Sie mit sich alleine etwas anfangen?  – Wer ohne Gesellschaft vor allem mit Langeweile kämpft, gerät schnell in einen Strudel der Einsamkeit. Das können Sie tun: Zeiten des Alleinseins sind ein normaler Teil des Lebens. Machen Sie sich diese Tatsache bewusst. Damit während dieser Phasen keine Einsamkeitsgefühle aufkommen, sollten Sie Ihre Interessen und Hobbys pflegen: Sport, Meditation, Gartenarbeit, Lesen, Filme – genießen Sie Ihr Leben so gut es geht.
    3.  Erwartungen an die Mitmenschen – Je höher die Erwartungen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Enttäuschung. Während manche Menschen sich selbst abwerten und für nicht liebenswert befinden, hängen andere die Messlatte für Ihr Gegenüber unrealistisch hoch. Das können Sie tun: Machen Sie sich bewusst: Kein Mensch ist perfekt – Beziehungen tragen neben Verbundenheit und Glück auch Missverständnisse und Konflikte im Gepäck. Es geht nicht darum, die negativen Aspekte zu vermeiden, sondern einen konstruktiven Umgang damit zu lernen. Hohe Erwartungen können auch zum Schutz eines geringen Selbstwertes dienen. Seien Sie in Ihrer Analyse ehrlich zu sich selbst.
    4. Sie empfinden die meisten Menschen als oberflächlich? – Small-Talk stellt nicht jeden gleichermaßen zufrieden. Wenn Sie zu den Zeitgenossen gehören, die tiefgründige Gespräche bevorzugen, denken Sie über die folgenden Sätze nach: Aus einem Small-Talk kann sich ein interessantes Gespräch entwickeln. Guten Freunden gegenüber kann man schon mal „mit der Tür ins Haus fallen“ und ein persönliches Thema ohne Umschweife ansprechen. Bei Fremden ist das nur in Ausnahmefällen möglich und sinnvoll. Vertrauen muss wachsen. Hinzu kommt: Im Erwachsenenalter dauert es länger, jemanden kennenzulernen, als es in der Jugend der Fall war. Beruf, Kinder, ehrenamtliche Verpflichtungen, vielleicht ein Elternteil, um den man sich kümmern muss… Die Liste der Pflichten ist lang und erlaubt oft wenig Flexibilität. Versuchen Sie, es nicht zu persönlich zu nehmen, wenn Ihr Gegenüber weniger Zeit für gemeinsame Aktivitäten erübrigen kann, als Sie es sich wünschen.
    5. Fällt es Ihnen schwer, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen? - Manche Mitmenschen sind wahre Kommunikationskünstler. Sie kommen in ein Lokal und sind wenige Augenblicke später bereits in ein Gespräch involviert. Das können Sie tun, wenn Sie selbst nicht zu dieser Gruppe zählen: Trainieren Sie Ihre Small-Talk-Fähigkeiten. Das Gute an der Sache: Sie sprechen mit Fremden, die Sie nachher nicht wiedersehen. Geht der Versuch daneben, müssen Sie keine negativen Konsequenzen befürchten. Hilft Ihnen dieses Wissen nicht weiter, können Sie Ihr Selbstbewusstsein stärken.

    Noch ein Hinweis: Keine Angst vor (negativen) Gefühlen. Das Leben bringt nicht nur Sonnenschein. Es ist wichtig, auch schwierige Emotionen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Wenn Sie sich nach einem Streit oder einer Trennung einsam fühlen, ist das normal und kein Grund zur Panik. Sollten die Einsamkeitsgefühle mehrere Wochen anhalten und Schlafstörungen, Selbstzweifel, eine gedrückte Stimmung hinzukommen, sollten Sie unbedingt mit einem Arzt darüber sprechen.

    Ursachen: Einsamkeit und Alleinsein in der modernen Welt

    Im Großen und Ganzen leben wir in glücklichen Umständen:

    •  Den Beruf wählen wir selbst. 
    • Beziehungen gehen wir freiwillig und nicht aus familiären, religiösen oder kulturell bestimmten Zwängen ein. 
    • Der einzelne Mensch wird als wertvolle Persönlichkeit betrachtet, die ihre Talente und Potenziale entfalten und in die Gesellschaft einbringt. 
    • Die digitale Technik trägt dazu bei, dass wir mit mehr Menschen in Kontakt treten können als jemals zuvor.
    • Noch nie gab es eine so lange Zeit des Friedens in Europa. 
    • Wir können überall in der EU leben.

    Dieser hohe Grad an Individualisierung und die vielen Möglichkeiten der Selbstverwirklichung stellen uns vor neue Herausforderungen. Die Nachkriegsgeneration verbrachte ihre Freizeit in den örtlichen Vereinen. Regelmäßige Reisen schienen unvorstellbar. Die Menschen begegneten sich häufig und regelmäßig: beim Einkaufen, im Verein, in der Kirche. Sie lebten in einer überschaubaren Welt, Familien kannten sich untereinander und teilten das Leben. 

     

    Heute führen die unzähligen Freizeitangebote bisweilen zu Stress und Überforderung. Kleinkunst, Kino, Festival, Klettern… oder doch lieber ein Netflix-Abend auf dem Sofa? Jeder einzelne geht seinen Interessen nach. Die Gemeinschaft teilt sich auf. 

     

    Hinzu kommt noch ein Aspekt: Galt das Ende einer Ehe vor fünfzig Jahren als Schande, liegt die Scheidungsrate heute bei rund einem Drittel.

    (Quelle: Statista.de https://de.statista.com/statistik/daten/studie
    /76211/umfrage/scheidungsquote-von-1960-bis-2008/ )

     

    Das Auseinanderbrechen von Langzeitbeziehungen ist hier nicht eingerechnet. 

     

    Flexibles Arbeiten befördert den Trend. Jobwechsel, Umstrukturierungen in der Firma, weite Pendelstrecken und Auslandsaufenthalte gehören für viele Arbeitnehmer heute zum Alltag. Die Zeiten, in denen Frauen selbstverständlich ihre beruflichen Ambitionen in der Partnerschaft hinten anstellten, sind ebenfalls vorbei.

    FAZIT: Regelmäßige, intensive Kontakte zu pflegen wird eine wichtige und fordernde Aufgabe, das ist kein Selbstläufer. Die Sozialen Netzwerke können räumliche Entfernung kurzfristig überbrücken. Den persönlichen Austausch und gemeinsame Erlebnisse ersetzen sie nicht.

    Einsam trotz Beziehung? 

     

    Beziehungen entstehen aus Sympathie. Die psychologische Forschung beschreibt die Entstehung von Sympathie in der Ähnlichkeitstheorie: Je höher die Übereinstimmung von Einstellungen (z. B. Leistungsmotivation) und Persönlichkeitsmerkmalen (z. b. Intelligenz), desto größer die Sympathie. Auch gemeinsame Lebensthemen und der Blick auf die Gesellschaft fördern Sympathie.

    (Quelle:https://www.spektrum.de/lexikon/
    psychologie/sympathie/15167)

    Einige Forscher sprechen auch von Resonanz. Aufmerksames Zuhören und gegenseitiges Verständnis lassen Sie auf Ihr Gegenüber attraktiv wirken.

    (vgl. https://www.spektrum.de/lexikon/
    psychologie/resonanz-empathische/12918 ) 

     

    Hier liegt eine große Herausforderung in Bezug auf Partnerschaften: Die ersten Beziehungen sind geprägt von gemeinsamen Lebenswelten wie Schule, Pubertät und Berufswahl. Regelmäßiger Kontakt und Ähnlichkeiten in der Haltung bilden die Basis für Freundschaften und erste Liebesbeziehungen. Das Fehlen von gemeinsamen Verpflichtungen macht sie leicht und unbeschwert. 

     

    Feste Partnerschaften und Ehen sind meist von der aktuellen Lebensphase und der Haltung dazu bestimmt: Familiengründung, gemeinsames Wohnen, Hausbau, Kindererziehung. Hier können die Lebenswelten trotz gemeinsamer Kinder auseinanderdriften. Der übervolle Alltag trennt die Partner. Sie besprechen überwiegend die Organisation des Familienlebens und beide sind froh, wenn sie die Anforderungen und Pflichten im Job und zuhause bewältigen. 

     

    Zeit und Energie für wirkliche Gespräche in einer Atmosphäre aus Nähe, Empathie und gegenseitiger Unterstützung bleibt kaum übrig. Diese Umstände befördern Einsamkeitsgefühle – auch innerhalb eines vollen Alltags und inmitten eines quirligen Familienlebens.  Werden die Kinder älter und verlassen ihr Zuhause, verliert auch dieses verbindende Element an Bedeutung. 

     

    Neue Beziehungen kühlen oftmals nach der ersten Verliebtheitsphase ab. Der Grund: Die Partner entdecken Unterschiede oder gar Gegensätze in Bezug auf ihr Wertesystem (z. B. Fleischesser/Vegetarier) und können oder wollen auf dieser Basis keine Partnerschaft aufbauen. 

     

    Diese Beispiele zeigen: Eine Beziehung schützt nicht automatisch vor Einsamkeit. 

    Strategien: Einsamkeit ist kein unabwendbares Schicksal

    Mann macht einen Schachzug
    Mann macht einen Schachzug

    Eines gleich vorweg: „Die Gesellschaft“ ist nicht schuld, wenn Sie sich einsam fühlen. Diese Haltung mag kurzfristig entlastend wirken, bindet Sie allerdings an eine passive Opferrolle. Damit verstärken Sie das Problem, statt es zu lösen. Die Realität ist komplex, jede Situation entsteht durch verschiedene Ursachen und deren Wechselwirkungen. Es gilt, die „Stellschrauben“ zu finden, an denen man drehen kann. Welche das in Bezug auf das Thema Einsamkeit sein können, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten. 

    Wege aus der Einsamkeit: kurzfristige und langfristige Strategien

     

    Akute Einsamkeitsgefühle, etwa nach einer Trennung, lassen sich nicht wegzaubern. Abmildern können Sie sie in jedem Fall – und zwar so: 

     

    Geben Sie das, was Sie sich wünschen: Aufmerksamkeit 

    Wer Zuwendung fordert, erfährt meist Mitleid oder Ablehnung. Das probatere Mittel gegen Einsamkeit liegt im Gegenteil. Interessieren Sie sich für Ihre Mitmenschen, seien Sie hilfsbereit und schenken Sie Zuwendung. Statt Mitleid, werden Sie zweierlei erleben: 1. Ihr Gegenüber bringt ihnen positive Gefühle entgegen und Freude wirkt ansteckend. 2. Sie erleben sich als selbstwirksam und erkennen, dass Sie dem Gefühl nicht machtlos ausgeliefert sind, sondern handlungsfähig bleiben und ihre Lage zum positiven beeinflussen können. Diese Erfahrung stärkt gleichzeitig Ihr Selbstvertrauen.

    Beginnen Sie mit Kleinigkeiten:

    • Lassen Sie den Kunden mit einem Produkt an der Kasse vor. 
    • Lächeln Sie der Frau an der Kasse freundlich zu. (Tun Sie das, auch wenn Ihnen nicht nach Lachen zumute ist, es geht trotzdem und hebt Ihre Laune. Die Bewegung der Gesichtsmuskeln stimuliert den Stoffwechsel im Gehirn.) 
    • Besuchen Sie einen Menschen oder rufen ihn an, von dem Sie wissen, dass er sich über Gesellschaft freut – auch wenn sich nur ein kurzes Gespräch ergibt.
    • Treiben Sie Sport. Wenn Sie Ihren Körper durch die Anstrengung spüren, kommen Sie ins Hier und Jetzt und die Einsamkeit tritt in den Hintergrund. 
    • Sie mögen Tiere, besitzen jedoch kein eigenes Haustier? Halten Sie die Augen offen: Irgendwo in der Nähe streift bestimmt eine Katze umher, die sich über Streicheleinheiten freut. 
    • Betätigen Sie sich handwerklich: Basteln, Stricken, Gartenarbeit, Kochen, Renovieren. Sie sehen das Ergebnis Ihrer Aktivität und der kreative Energiefluss mindert das Gefühl der Einsamkeit. Noch besser wirkt diese Strategie, wenn Sie mit dem produzierten Gegenstand jemandem eine Freude bereiten wollen. Ein Glas selbstgemachte Marmelade für die Nachbarin, einen Kuchen für die Freundin - Selbstgemachtes kommt an und zeigt, dass Sie wirklich Zeit investiert und sich Gedanken gemacht haben.

    Wichtig dabei: Erwarten Sie nicht zu viel. Hohe, oder gar überzogene Erwartungen mindern Ihren Erfolg, die Einsamkeit hinter sich zu lassen. 

     

    Langfristige Wege aus der Einsamkeit  

     

    Sicherheit auf dem sozialen Parkett: Wie bereits beschrieben, mündet Einsamkeit schnell in einem Teufelskreis. Einsame Menschen igeln sich ein und werden dadurch noch einsamer. Dadurch kommen Sie irgendwann aus der Übung und werden unsicher im sozialen Miteinander. Um diese Negativspirale zu durchbrechen, können Sie sich kleine Übungsfelder suchen. Wie wäre es mit einer einfachen ehrenamtlichen Tätigkeit? Vom Hundesitting über Hausaufgabenbetreuung bis zur Mitarbeit bei der Tafel oder im Weltladen – in jeder Region finden Sie ein weites Spektrum an Optionen. Sie müssen nicht einsam bleiben. Ein Tipp: Beginnen Sie langsam und streben Sie nicht sofort einen Posten im Vorstand des Sportvereins an. 

     

    Spiritualität oder Religion – die Verbundenheit mit dem Großen Ganzen pflegen. Viele Menschen sehnen sich nach einer Verbindung zu etwas Größerem. Ob Sie diese Verbundenheit in der Kirche, bei Wanderungen in der Natur, beim Malen oder Yoga entdecken, spielt keine Rolle. Machen Sie sich auf den Weg. Dabei treffen Sie auf Gleichgesinnte und können sich über tiefgehende Fragen des Lebens austauschen. 

     

    Achtsamkeit zu üben reduziert Einsamkeitsgefühle und negative Gedanken. Meditation und Achtsamkeitsübungen können Ihnen helfen, im Moment zu verweilen und Ihre Gedanken zu beruhigen. Forscher konnten zeigen, dass regelmäßige Achtsamkeitspraxis – also das Wahrnehmen des Augenblicks – negative Emotionen und Gedankenkreisen, also Stress, reduziert. Mit dieser Technik könne Sie auch Ihrer Einsamkeit begegnen.

    (vgl.https://www.mbsr-verband.de/achtsamkeit/mbsr )

     

    Wenn Sie die ersten neuen Kontakte geknüpft haben, seien Sie achtsam. Denn: Jede Beziehung und sei sie noch so locker, erfordert Gegenseitigkeit. Verzetteln Sie sich nicht. Es geht nicht darum, möglichst viele, sondern die passenden Kontakte auszubauen. Gemeinsame Interessen und ein ähnliches Temperament erleichtern Ihnen diese Aufgabe ungemein. Gleichzeitig gilt es, mit Vertrauen und einer positiven Einstellung am Aufbau des sozialen Netzes zu arbeiten. Rückschläge, Missverständnisse und Verletzungen gehören dazu und sollten nicht dazu führen, dass Sie Ihr Vorhaben aufgeben. 

     

    Üben Sie sich in Toleranz und Akzeptanz. Niemand ist perfekt – weder Sie noch Ihr Gegenüber. In der heutigen Optimierungs-Gesellschaft gerät diese Tatsache zunehmend in Vergessenheit. Der Wunsch, so angenommen zu werden wie man ist, lässt sich durch Selbstoptimierung nicht erfüllen. Stattdessen hilft es, unser Mensch-Sein, die Widersprüchlichkeit und Unvollkommenheit in den Blick zu nehmen und sie anzunehmen. Bei sich selbst und bei den Mitmenschen.

    Partnersuche: Geduld ist gefragt

     

    Bevor Sie sich auf die Suche nach einem neuen Partner begeben, sollten Sie sich ein Leben aufbauen, das Sie stabilisiert und zufriedenstellt. Sonst passiert das Selbe wie beim Knüpfen neuer Kontakte: Sie wirken bedürftig und erregen eher Mitleid, statt Interesse zu wecken. Dass eine stabile Basis für eine glückliche Beziehung anders aussieht, kann man sich leicht ausmalen. 

     

    Der potenzielle Partner ist ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Ein Mensch alleine kann nicht Partner, Hobby und Freundeskreis sein. Damit überfordern Sie den anderen und die Beziehung ist zum Scheitern verurteilt. Falls Sie in diese Richtung gedacht haben, wechseln Sie versuchsweise die Perspektive: Stellen Sie sich vor, Sie treffen auf eine Person, die ihr Lebensglück von der Beziehung zu Ihnen abhängig macht – eine unglaubliche Last, solche Erwartungen. Wäre dieser Mensch für Sie ein attraktiver Partner? Wohl eher nicht. 

    Länger Single zu sein, kann Sie dagegen für die kommende Partnerschaft stärken:

    • Wer sich selbst ein Leben aufbaut und den Alltag alleine bewältigt, wird automatisch selbstbewusster. Selbstbewusstsein wirkt anziehend auf andere. 
    • Sie lernen sich selbst kennen: Ihre Bedürfnisse, Interessen und Grenzen. Sie wissen, was Sie wert sind und was Sie wollen. – Die ideale Basis, um in eine neue Beziehung zu starten.
    • Sie können alleine sein und engen Ihren potenziellen Partner nicht ein. 
    • Sie kommen mit den Widrigkeiten des Alltags klar und müssen sich nicht an einen rettenden Strohhalm (Partner) klammern. Sie werden selbstbestimmter und freier. 
    • Sie können souverän abwarten, bis sich ein passendes Gegenüber findet und verlieben sich nicht so leicht Hals über Kopf.

    Übrigens: Eine erste Studie legt nahe, dass Paare, die sich online kennenlernen, zufriedener sind. Vielleicht helfen die Algorithmen doch ein bisschen.

    Viel Erfolg auf Ihrem weiteren Weg!

     

    Quelle:

    Quelle: https://www.welt.de/gesundheit
    /psychologie/article116792257/Bessere-Ehen-nach-Kennenlernen-per-Online-Dating.html

     

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    Susanne Schmieder

    Autorin: Susanne Schmieder

    Psychologin
    Mit Worten jonglieren, den richtigen Ton treffen und die Leser wertvoll informieren - das macht mir großen Spaß. Als Diplom-Psychologin verfasse ich hilfreiche und nützliche Fachartikel. Das bedeutet für mich Faszination und Herausforderung zugleich.

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