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Wut: ein universelles Gefühl und wie Sie damit umgehen

Wann waren Sie das letzte Mal so richtig wütend? Gehen Sie in Gedanken zurück zu dem Moment: Wie hat sich diese Wut angefühlt? Wo haben Sie sie gespürt? Warum wurden Sie wütend? Und: Wie haben Sie reagiert?

 

Wut zählt zu den sogenannten Basic Emotions – auch universelle Emotionen genannt.  Der renommierte Psychologe und Anthropologe Paul Ekman widmete sein Forscherleben den emotionalen Gesichtsausdrücken. Er fand heraus, dass die Gesichtsausdrücke der Gefühle Angst, Wut, Freude, Trauer, Ekel, Verachtung und Überraschung von Menschen rund im Globus gleich ausgedrückt und genauso exakt erkannt werden. 

 

Ekman und seine Kollegen gehen davon aus, dass diese Gefühle und ihr Ausdruck zum grundlegenden menschlichen Erbe gehören. Deshalb sind sie nicht durch die Kultur geprägt, sondern genetisch verankert. Wie sollte man sich sonst erklären, dass taub-blind geborene Kinder genauso lachen wie ihre gesunden Altersgenossen? Die Kinder konnten das menschliche Lachen weder durch Hören noch Beobachten lernen.

(Quelle: Birbaumer/Schmidt, Biologische Psychologie, 2018, S.714)

 

In diesem Beitrag wollen wir die Basis-Emotion „Wut“ genauer untersuchen: Wie entsteht sie? Welchen Sinn hat das Gefühl? Was passiert im Körper, wenn ein Mensch sich ärgert? Und: Wie beeinflusst Wut unsere Beziehungen? 

 

Viele Fragen. Fangen wir an!

Wuetendem Mann qualmt es aus den Ohren
Wuetendem Mann qualmt es aus den Ohren

Wutausbruch | Quelle: © freshid - Adope Stock

Unsere Beiträge sind sehr ausführlich. Bitte nutzen Sie daher zur besseren Navigation das Inhaltsverzeichnis. Sollten Sie ergänzende Anregungen oder eigene Erfahrungen zum Thema besitzen? Freuen wir uns natürlich sehr über ein entsprechendes Kommentar am Ende des Beitrages.  

Wir wünschen eine inspirierende Lektüre!

Inhaltsverzeichnis
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    Wut – ein Wort und das Gefühl dahinter

     

    Der ältesten bekannten Wurzeln des Begriffs Wut bedeuten rasender Zorn oder Raserei (woet) und sind rund 1200 Jahre alt. Die Silbe „-wout“ taucht zum Beispiel im Adjektiv „firewout“ (11. Jahrhundert) auf und bedeutet  „unsinnig, ohne Vernunft“. 

    Dass während eines Wutanfalls die Vernunft eine untergeordnete Rolle spielt, dürften die Meisten schon selbst erlebt haben. Doch unsinnig ist Wut nicht

     

     

    Welchen Sinn hat Wut?

     

    Sigmund Freud (1856 – 1939) beeinflusste unser Verständnis von Emotionen äußerst nachhaltig. Freud war ein Pionier auf diesem Gebiet. Er vertrat die Auffassung, Wut wäre eine Störung des Organismus. Sie würde nur auftreten, wenn die Anpassung an äußere Bedingungen nicht gelingt. Wut müsste deshalb „rausgelassen“ werden. Dieses Bild steckt in seiner berühmten Katharsis-Hypothese. Der Mensch gleicht einem Wasserkessel auf dem Ofen, in dem der Druck stetig steigt. Aus dieser Zeit stammt auch noch die Tendenz in unserer Gesellschaft, Wut nicht zu zeigen, sie herunterzuschlucken, sie ist schließlich ein „unangemessenes“ Gefühl.

     

    Heute ist die Forschung viele Schritte weiter. Sie kennt den Ursprung von Wut, Aggression und Gewalt und die Wissenschaftler können erklären, wie Wut entsteht und wozu sie existiert.

     

     

    Wut und Aggression: Urtriebe des Menschen?

     

    Aggression und Gewalt in größerem Stil begleiten die Menschheit noch nicht von Beginn an. Die meiste Zeit seiner Existenz zogen die Vertreter der Homo Sapiens als Jäger und Sammler umher. Es gab keinen nennenswerten Besitz, Männer und Frauen lebten in größeren Sippen gleichberechtigt zusammen.

    Die Männer gingen auf die Großwildjagd (Gewalt gegen Beutetiere gab es), die Frauen sammelten Samen und Früchte und erlegten kleinere Tiere. Gute klimatische Bedingungen ließen die Bevölkerung wachsen und die natürlichen Nahrungsquellen schrumpfen – Homo Sapiens begann aus dieser Not heraus, sesshaft zu werden und Ackerbau zu betreiben. So entstand das Eigentum, das natürlich verteidigt werden musste. Die Jäger wurden zu Kriegern, die ihr Territorium verteidigten und andere Reviere plünderten.

     

    Erst in dieser Epoche, dem Neolithikum, finden Forscher vermehrt Skelette mit Anzeichen menschlicher Gewalteinwirkung. Ältere Funde zeigen vor allem Verletzungen, die auf Jagdunfälle hindeuten. Um die zunehmende Gewalt zu zähmen, hat der Mensch kulturelle Normen und moralische Grundsätze für das Zusammenleben entwickelt. 

     

    Wut entsteht also im Zusammenhang mit Bedrängnis – damals war es Nahrungsknappheit und Verteidigung des Besitzes – und körperlicher oder psychischer Verletzung (Beleidigung, Demütigung). Sie schaukelt sich hoch wie eine Welle und stellt Energie zur Verfügung – um sich selbst, Angehörige oder das eigene Territorium zu verteidigen. Das kann auch so weit gehen, dass andere Menschen attackiert werden, um an fruchtbares Land zu gelangen. 

     

    Aggression im positiven Sinn wird als Ausdruck von Selbstbehauptung und Durchsetzungsfähigkeit bewertet. Das ist seit der Sesshaft-Werdung des Menschen der Fall und zieht sich durch die Geschichte – bis heute: Stellen Sie sich vor, Sie betreten morgens das Großraumbüro und ertappen Ihre Kollegin dabei, wie sie neugierig Ihre Schreibtischschublade durchsucht.

     

    Was geht in diesem Augenblick in Ihnen vor? Sie spüren wahrscheinlich den Impuls, zu Ihrem Arbeitsplatz zu laufen und die Frau von Ihrem Platz wegzustoßen. Sie möchten „Ihr Revier“ schützen. Wegstoßen werden sie die Kollegin normalerweise nicht, schließlich wollen Sie sie nicht verletzen oder gar sich selbst in Schwierigkeiten bringen. Also werden Sie die Frau zur Rede stellen. Die Situation war schließlich eindeutig.

     

    Wütender Mann verpügelt Kollegen im Büro
    Wütender Mann verpügelt Kollegen im Büro

    Aggression am Arbeitsplatz | Quelle: © Nomad_Soul - Adope Stock

    Das Problem: Die Eindeutigkeit aus dem obigen Beispiel ist nicht immer gegeben. Die Ursache ist nicht immer so klar mit dem Gefühl der Wut verbunden. Wie oft haben Sie sich über vermeintliche Kleinigkeiten schon intensiv geärgert? – Manchmal reicht einfach ein „kleiner Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“. Sie reagieren dann wütend, sagen oder tun Dinge, die Sie im Anschluss bereuen. In diesen Momenten scheint es, als wäre Wut doch eine sinnlose Erfindung der Natur. 

     

    Um hier Klarheit zu schaffen, zeigt der folgende Abschnitt, wie Wut entsteht. Dieses Verständnis hilft, mit der Emotion besser umzugehen – damit beschäftigen wir uns weiter unten im Beitrag.

     

     

    Wut entsteht: Wahrnehmung – Bewertung – körperliche Reaktion – Handlung

     

    Ein Gefühl dauert nur wenige Sekunden. Bei der Wut verläuft der Prozess wie folgt:

    DIagramm der Entstehung von Wut
    DIagramm der Entstehung von Wut

    Entstehung von Wut | Grafik: All4Singles

     

    Schritt 1: Wahrnehmung eines Reizes. 

     

    Beispiel: Sie sehen Ihre Arbeitskollegin in Ihrer Schreibtischschublade kramenIm Gehirn trifft dieser Sinnesreiz auf den Thalamus. Der Thalamus leitet die Information in zwei Richtungen: zur Amygdala (Mandelkern) und zur Hirnrinde

     

    Die Amygdala führt innerhalb weniger Millisekunden eine schnelle und grobe Analyse der Situation durch. Sie unterscheidet zwischen „nützlich“ und „gefährlich“. Dieser schnelle – wenig detaillierte Pfad – ist deshalb so wichtig, weil er dem Menschen hilft, schnell zu reagieren und so einer potenziellen Lebensgefahr zu entgehen.

     

    Die Arbeitskollegin an Ihrem Schreibtisch wird als unangenehm eingestuft. Die Amygdala setzt über den Hypothalamus und das Stammhirn eine körperliche Reaktion in Gang: Ihr Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, Ihre Muskeln spannen sich an, Ihre Atemfrequenz nimmt zu. Diese Reaktion bereitet den Organismus auf Kampf oder Flucht vor.

     

    Das Besondere: Diese Prozesse laufen ab, noch bevor Ihnen selbst überhaupt bewusst wird, dass Sie wütend sind.

     

     

    Schritt 2: Bewertung des Reizes

     

    Auf dem zweiten Weg erreicht der Reiz „Arbeitskollegin am Schreibtisch“ die Hirnrinde. Dort wird die Information zwar langsamer, dafür detaillierter und umfassender bewertet. Bei dieser Analyse werden Erinnerungen mithilfe des Hippocampus abgerufen und mit der aktuellen Situation verglichen. Ein Teil der Hirnrinde, der präfrontale Cortex, verarbeitet emotionale Reize. Er integriert sie in das Gesamtbild der Situation und zieht daraus den Schluss über eine angemessene Reaktion. Erst im präfrontalen Cortex entstehen die bewussten Gefühle. Jetzt ist Ihnen klar, was in Ihnen vorgeht.

     

    Für unser Beispiel bedeutet das: Ihr erster Impuls besteht darin, die Kollegin mit einem kräftigen Stoß von Ihrem Schreibtisch zu entfernen. Kurz darauf besinnen Sie sich: Ihnen wird bewusst, dass Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz befinden und eine andere Person nicht körperlich attackieren dürfen. Aus Ihrer Erinnerung wissen Sie, dass die Kollegin häufiger anderen hinterher schnüffelt und sie deshalb in der Abteilung einen zweifelhaften Ruf genießt. Sie entscheiden sich für eine andere Reaktion.  

     

     

    Schritt 3: Handlung

     

    Die Detail-Analyse in der Hirnrinde hat ergeben: Sie rufen den Namen der Kollegin gehen rasch auf sie zu. Damit haben Sie sie weder körperlich verletzt noch verbal beleidigt. Trotzdem sind alle Anwesenden auf die Situation aufmerksam geworden und die Kollegin verlässt beschämt den Raum. Die Wut flaut ab und Sie sind zufrieden mit dem Ergebnis. 

    (Quelle: https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/bewusste-gefuehle)

     

    Im Großen und Ganzen haben Evolution und unsere Kultur diesen Prozess ganz gut organisiert. Da unser Verhalten durch Gene und Kultur beeinflusst wird, brauchen Kinder etwas Zeit, um Gefühle wie Wut und Ärger zu erkennen und zu regulieren.

     

     

    Wut und Aggression bei Kindern und Jugendlichen

     

    Gefühle entwickeln sich während der gesamten Kindheit. Der Nachwuchs muss lernen, mit diesen Emotionen umzugehen. Bis zum Grundschulalter beherrschen Kinder grundlegende Fertigkeiten: Sie sind sich der eigenen Gefühle bewusst und drücken sie aus. Genauso können sie die Gefühle anderer erkennen und einordnen. Das Wichtigste: Sie sind meist in der Lage, ihre Gefühle selbst zu regulieren. 

     

    Trotzdem kann es immer wieder passieren, dass die Kleinen in unkontrollierten Wutausbrüchen „Dampf ablassen“ oder im Streit ein Bauklotz den Kopf des Kindergartenfreundes trifft. In solchen Momenten fehlt die sonst vorhandene Aggressionshemmung und dem Kind ist nicht bewusst, wie sehr es sein Gegenüber verletzt. Auch Türen knallen, Schreien oder Beißen können vorkommen. 

     

    Wie gehen Sie als Erwachsener damit um?

     

    Grundsätzlich geht es darum, dass Kinder ihre Wut zulassen. Wut ist Energie, ein normales Gefühl. Das Ziel ist, diese Energie in positive Bahnen zu lenken. Ein No-go: Wut ungebremst ausleben. Im Gegensatz zu Freude können durch geballte Wutausbrüche Menschen oder Dinge Schaden nehmen. Diese Tatsache besprechen sie am besten mit den Kleinen.

     

    Mit den folgenden Tipps helfen Sie dem Kind, seine Wut anzunehmen und sich nicht von ihr überrollen zu lassen:

     

    • Wut ist Kraft. Setze die Wut in Bewegung um. Geh hinaus und lauf eine Runde, hüpfe auf der Stelle oder boxe in ein Kissen.
    • Je mehr Sie über Ihren Ärger nachdenken, umso größer wird er. Denken Sie stattdessen an etwas Schönes!
    • Konzentriere dich auf deinen Atem und spüre, wie die Luft durch die Nase in die Lungen und wieder heraus strömt.
    • Größeren Kindern können Sie raten: Hinterfrage deine Wut. Stell dir vor, es ist ein Jahr vergangen und denkst an diesen Moment. Ist die Situation aus dieser Sicht immer noch so schlimm, dass Sie darüber so wütend sein müssen?

     

    Kinder, die schnell und oft wütend werden, sollten lernen, sich weniger bedroht zu fühlen. Wie das geht? Ein Beispiel: Es ist sinnvoll, wenn die Kleinen lernen, ihre Bedürfnisse als Wünsche zu formulieren: „Ich möchte gerne eine neue Puppe.“

    Wird dieser Wunsch nicht erfüllt, ist das Kind enttäuscht. Im Gegensatz dazu führen nicht erfüllte Forderungen: „Ich will eine neue Puppe.“ zu größerem Frust und Wut

     

    Gewalt im Jugendalter 

    Die Pubertät ist für die Heranwachsenden und deren Umfeld eine besondere Herausforderung. Das Gehirn erlebt einen Umbau und die Hormone müssen ein neues Gleichgewicht finden. Vorübergehende Phasen, in denen ein junger Mensch aggressiver erscheint als gewohnt, sind normal. 

     

    Zeigt sich das Verhalten über einen längeren Zeitraum, ist professionelle Unterstützung gefragt. Die häufigsten Ursachen für Gewalt bei Jugendlichen:

     

    1. Das soziale Umfeld: Freunde, Schule und Familie sind einerseits Vorbilder und andererseits prägen sie die Atmosphäre im Umfeld des Jugendlichen. Aggressive Stimmung überträgt sich.
    2. Der Entwicklungsstand: Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen zeigen häufiger aggressives Verhalten als gesunde Heranwachsende.
    3. Psychische Störungen wie Depression oder ADHS können Aggressionstendenzen verstärken.
    4. Körperliche Ursachen: Hormonstörungen können ebenfalls zu Verhaltensauffälligkeiten führen.

     

     

    Wut – Aggression – Gewalt: keine zwangsläufige Verbindung

     

    Die beiden Prozesse, die beim Anblick einer potenziell ärgerlichen Situation im Gehirn ablaufen, zeigen: Ob Wut zu einem Gewaltausbruch führt, entscheidet nicht allein der erste Impuls. Die Amygdala generiert zwar den körperlichen Kampf-Modus, der frontale Cortex, also das Stirnhirn, entscheidet über die tatsächliche Reaktion

     

    Wann kommt es zu Gewalt?

     

    Untersuchungen mit Gewalttätern zeigen, dass ihr Verhalten von mehreren Faktoren beeinflusst wird. Gerhard Roth von der Universität Bremen zeigt die wesentlichen Aspekte: 

     

    • Gewalttätige Menschen zeigen eine leichte Kränkbarkeit sowie eine geringere Stoffwechselaktivität des Frontalhirns. Impulse der Amygdala werden schnell ausgelöst, jedoch weniger stark kontrolliert. Prof. Roth geht davon aus, dass rund 70 Prozent der „Taten im Affekt“ auf diesem Muster beruhen.
    • Wenn Kinder in der Familie beobachten, dass Gewaltanwendung eine Strategie ist, die zum Erfolg führt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie Gewalt bewusst einzusetzen.
    • Der geringste Anteil der Taten geht Gerhard Roth zufolge auf psychopathische Persönlichkeitsstrukturen zurück. Das bedeutet: Die Täter empfinden keine Empathie und bereuen ihre Tat in der Regel nicht. Sie gehen häufig sehr brutal vor.

     

    Passiv-aggressiv: die indirekte Gewalt

     

    Wut und Aggression können auf unterschiedliche Weise ausgedrückt werden – eine sehr destruktive Variante können Sie bei passiv-aggressiv agierenden Menschen beobachten. 

     

    Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Preston Ni nennt fünf Taktiken, an denen Sie passiv-aggressives Verhalten erkennen: 

     

    • Sie verbreiten Klatsch und Tratsch und streuen Gerüchte.
    • Sie sind „eiserne Schweiger“. Damit bestrafen sie ihr Gegenüber und lassen es in einem Zustand der Ungewissheit 
    • Sie vertreten das Motto: „Schuld haben immer andere.“ Beispiel: Wenn Sie einen Termin versäumen, erklären dies sie dadurch, dass es nie eine Abmachung gegeben habe oder eine andere Person sie nicht rechtzeitig an den Termin erinnert habe. 
    • Pseudohumor: Auf eine verbale Attacke folgt die Erklärung, es wäre nur Spaß gewesen.
    • „Sich dumm stellen“: Sie halten Verabredungen bewusst nicht ein, schieben Versprechen auf und torpedieren den Erfolg anderer.

     

     

    Strategien: Wehren Sie passiv-aggressives Verhalten ab

     

    Das Wichtigste: Lassen Sie sich nicht provozieren. Denn das ist das Ziel des Verhaltens: Sie sollen die Wut zeigen, die der andere in sich versteckt. Empathie führt hier nicht zum Ziel. Üben Sie, bei sich zu bleiben und bereiten Sie sich auf jedes Treffen gut vor.

     

    Machen Sie klare Ansagen und fordern Sie klare Antworten ein. Lassen Sie nur Handlungen gelten und vertrauen Sie nicht auf Versprechen. Streben Sie unbedingt eine Win-Win-Situation an. Ihr Gegenüber möchte in keinem Fall verlieren.

     

     

    Ursache für passiv-aggressives Verhalten: häufig ein geringer Selbstwert

     

    Menschen mit starkem Selbstbewusstsein können mit Problemen und konstruktiver Kritik umgehen. Passiv-aggressive Personen fühlen sich leicht angegriffen und reagieren mit Trotz und Blockade-Haltung. Sie tragen häufig eine sehr pessimistische Lebenshaltung in sich.

     

    Wut in der Partnerschaft – konstruktiv damit umgehen

     

    Wut und Aggression sind natürlich auch in Partnerschaften ein Thema. Die weiteren Abschnitte beleuchten deshalb geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf dieses elementare Gefühl. Außerdem geht es um die Frage, wie Sie Ihre eigene Wut erkennen und lenken. Diese Fähigkeiten wirken sich besonders positiv auf Ihre Beziehungen aus. Genauso wichtig ist das Wissen, wie Sie mit einem wütenden Partner umgehen

    Also weiter … 

     

     

    Wut und Aggression: Unterschiede zwischen Frauen und Männern

     

    Beim Stichwort Gewalt denken die meisten Menschen an männliches Verhalten. Ihnen wird unterstellt, aggressiver und damit auch durchsetzungsfähiger zu sein. Männliche Aggression ist sichtbarer. Frauen leben Gewalt vor allem über die Gefühlsebene aus: Sie nörgeln, bestrafen durch Liebesentzug oder spinnen Intrigen. Einzig in spontanen Wutausbrüchen – die den Frauen zum Teil als Hysterie ausgelegt werden – äußerst sich weibliche Aggression offensichtlich. 

     

    Der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass Männer durchschnittlich aggressiver sind als Frauen.

    (Quelle: Krahe, Barbara (2013): The Social Psychology of Aggression. Psychology Press.)

     

    Das liegt unter anderem daran, dass „Weiblichkeit“ nicht mit Selbstbehauptung und Durchsetzungsfähigkeit in Verbindung gebracht wird. „Härte“ gilt als unweiblich.

     

    Dazu kommt, dass über Jahrhunderte der stahlharte, tapfere Krieger als Ideal propagiert wurde.  Heute gilt diese Vorstellung als überholt, ein neues Männerbild entsteht. Allerdings brauchen solche Prozesse Zeit. Und: Neue Rollenbilder provozieren immer auch eine Gegenbewegung. In den USA und auch in Europa halten einige Gruppen das Bild des „richtigen Mannes“ hoch und wollen es erhalten. 

     

     

    Wut bei sich selbst erkennen und lenken

     

    Je besser Sie sich selbst kennen, umso früher werden Sie auch Ihren Ärger spüren. Dieses Gespür erlaubt Ihnen, rechtzeitig zu handeln, ehe sich die „Wut im Bauch“ sammelt und in einer Explosion entlädt – oder Sie krank macht. Menschen, die ihren Ärger regelmäßig hinunterschlucken oder ignorieren, erhöhen nämlich ihr Depressions-Risiko.

    (Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/emotionsforschung-wer-wut-unterdrueckt-kann-depressiv-werden.976.de.html?dram:article_id=448877)

     

    Dem Ärger auf der Spur

     

    Sie haben noch keinen richtigen Zugang zu Ihren Gefühlen gefunden? Dann versuchen Sie folgendes: Setzen Sie sich hin und sorgen Sie dafür, dass niemand sie stört. Entspannen Sie, denken Sie an etwas Chilliges und Schönes, etwa wie Sie in der Sauna liegen oder am Strand in der Sonne. Lassen Sie Ihre Aufmerksamkeit durch den Körper wandern und nehmen sie wahr, wie er sich im entspannten Zustand anfühlt. Achten Sie dabei besonders auf Ihre Schultern, den Kiefer, den Bereich von Augen und Stirn, sowie auf Ihre Atmung und den Herzschlag. 

     

    Nun denken Sie an eine Situation, in der Sie sich extrem geärgert haben. Steigern Sie sich ruhig etwas in diesen Moment hinein. Anschließend lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ihren Körper: Was ist jetzt anders? Wie hat sich der Herzschlag verändert? Was ist mit der Atmung? Beißen Sie vielleicht die Zähne zusammen? Oder verkrampft der Schulter-Nacken-Bereich? Können Sie noch ruhig sitzen? Bei Bedarf wiederholen Sie diese Übung, bis Sie Ihre Wut-Reaktionen kennen.

     

    Im nächsten Schritt versuchen Sie diesen Perspektivenwechsel, wenn Sie sich im Alltag ärgern. Nehmen Sie Ihre Wut wahr – wie in der Übung. 

    Nun haben Sie den ersten Schritt getan: Sie spüren Ihre Wut. 

     

     

    Die Wut zähmen …

     

    Sobald Sie Ihre Wut rechtzeitig wahrnehmen, haben Sie die Chance, sie auch zu lenken. Denn: Wut ist Energie. Sie müssen diese Energie nicht in Form von Ärger ausleben. Sie können Sie konstruktiv einsetzen. 

     

    Dazu ist es sinnvoll, wenn Sie sich über Ihre innersten Werte klar werden. Wer wollen Sie sein? Mit welcher Haltung wollen Sie durch den Alltag gehen? Wollen Sie ein Mensch sein, der von der Wut gelenkt wird oder eine Person, die ihren Ärger zähmt?

     

    Zugegeben, das ist eine äußerst suggestive Frage. Trotzdem ist es wichtig, sich darüber einmal bewusst Gedanken zu machen. Sie sind an Psychologie interessiert – also gehen wir davon aus, dass Sie Ihre Wut zähmen möchten.  

    Vielleicht sind Ihre Werte: 

     

    • Ich möchte andere nicht verletzen, weder physisch noch verbal.
    • Ich möchte mich selbst nicht verletzen, weder physisch noch verbal. (Das passiert leider sehr oft: sich kleinreden, auf sich selbst wütend sein, die eigenen Grenzen nicht respektieren)
    • Ich möchte mit meinen Gefühlen konstruktiv umgehen, statt deren Sklave zu sein.
    • Ich möchte ein liebevollerer Mensch werden.

     

    Gut mit sich selbst umgehen, ist eine wichtige Basis. Menschen, die sich selbst überfordern, unter Druck setzen oder sich zu sehr anpassen, sind gestresst und werden leichter wütend. 

     

    Lektion 1: Seien Sie gut zu sich selbst.

     

    Um die eigene Wut zu zähmen, müssen Sie die passende Strategie für sich finden. Manchen Menschen hilft es, auf Ihren Atem zu achten, andere sagen gedanklich ein Mantra oder einen Spruch oder beten. Sie können auch versuchen, sich in Ihr Gegenüber hineinzuversetzen: Wie geht es ihm oder ihr? Ist sie selbst verletzt, gestresst oder habe ich die Worte falsch verstanden?  

     

    Lektion 2: Finden Sie Ihre Aussteiger-Strategie für akuten Ärger. 

     

    Sie können die Situation auch als Lern-Chance nutzen. Ergründen Sie Ihre Wut. Fragen Sie sich selbst: Warum bin ich jetzt so wütend? – Meistens fallen Ihnen als erstes Antworten ein, wie „...weil sie sich immer so unfair mir gegenüber verhält.“ Geben Sie sich mit diesen ersten Gründen nicht zufrieden. Fragen Sie weiter. Denn: Wo viel Energie im Spiel ist, sind Sie auch mit dem Herzen dabei. Vielleicht steckt hinter der Wut ein tiefer Gerechtigkeitssinn? Nehmen Sie diese Wut ernst, Sie werden viel von ihr lernen.

     

    Lektion 3: Erkenne, wofür Sie brennen.

     

    Durch die Beschäftigung mit dem Gefühl werden Sie automatisch Ihre Haltung ändern. Sie betrachten Ihr Gefühl und es kann sie weniger stark mitreißen. Das ist ein großer Erfolg.

     

    Nun kennen Sie wirkungsvolle Strategien, um Ihrer Wut Zügel anzulegen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie sich alles gefallen lassen. Wenn jemand sie verletzt oder bedrängt, müssen Sie natürlich reagieren. Mit gezähmter Wut können Sie besonnener mit der Situation umgehen und nach einer konstruktiven Lösung suchen.

     

    Streitendes Paar
    Streitendes Paar

    Streit in der Beziehung | Quelle: © olly - Adope Stock

     

    Mit der Wut des Partners umgehen

     

    Wussten Sie, dass Wut ansteckend ist? Im Stirnhirn befinden sich sogenannte Spiegelneurone. Über diese Nervenzellen erkennen wir die Gefühle unserer Mitmenschen, indem wir „mitschwingen“, unser Gegenüber spiegeln

     

    Es kann deshalb schnell passieren, dass ein wütender Partner Sie ebenfalls in Rage versetzt. Das ist im Prinzip ein natürlicher Vorgang. An dieser Stelle könne Sie Ihre Ausstiegs-Strategie aus dem obigen Abschnitt einsetzen.

     

    Ist der akute Ärger verflogen oder abgeebbt, sprechen Sie gemeinsam über das Thema. Vielleicht sagt Ihr Partner, der Chef hätte ihn wütend gemacht und er sei zuhause immer noch „auf 180“ gewesen. Suchen Sie gemeinsam nach einer Lösung für solche Momente:

     

    Wenn einer von Ihnen wütend nachhause kommt, kann er dem anderen dies mitteilen, damit dieser Abstand halten kann. Falls Ihr Partner mit seinen Gefühlen noch nicht so gut umgehen kann, könnten Sie auch versuchen, die Situation zu entschärfen. Sie könnten beispielsweise sagen: „Ich merke, du bist wütend und wir verstricken uns gerade. Ich gehe jetzt eine Runde spazieren und wenn wir uns beide wieder beruhigt haben, sprechen wir.“

     

    Fordern Sie jedoch unbedingt ein, dass auch Ihr Gegenüber sich um einen guten Umgang miteinander bemüht. Es reicht nicht, wenn ein Teil eines Paares – oft sind es die Frauen – die alleinige Verantwortung für das emotionale Klima in der Partnerschaft übernehmen. Beide müssen ihren Anteil leisten, um eine erfüllende Beziehung auf Augenhöhe zu führen.

     

    Gutes Gelingen!

     

    Noch ein Hinweis für Hobby-Ermittler: Paul Ekman hat zusammen mit seinem Kollegen Wallace Friesen ein System entwickelt, mit dessen Hilfe geschulte Personen die Gesichtsausdrücke ihres Gegenüber analysieren und Lügen enttarnen können. Das System heißt FACS (Facial Action Coding System) und man kann damit etwa ein echtes von einem künstlichen Lächeln unterscheiden. Beim Versuch, Gefühle zu verbergen, kommen Muskeln zum Einsatz, die beim reinen Gefühlsausdruck nicht genutzt werden. Die Forscher decodieren diese Mikrobewegungen und zeigen, wie man sie erkennt. Geheimdienste wie FBI oder CIA nutzen die Erkenntnisse genauso wie die Polizei. Details dazu finden Sie in den Literaturtipps am Ende des Beitrags.

     

    Die Fernsehserie „Lie to me“ mit ihrer Hauptfigur Dr. Cal Lightman, der Lügen und Täuschungen besser durchschaut als jeder Lügendetektor, basiert auf den Erkenntnissen von Paul Ekman. Er hat die Produzenten der Serie als wissenschaftlicher Berater begleitet.  

     

    Vielen Dank für Ihr Interesse!

    Zum Weiterlesen:

    Auch-Schwelk, Annette (2019): Wut und Ärger: Gut umgehen mit starken Gefühlen. Haufe TaschenGuide. Haufe-Verlag.

    Eifert, G. H. et al. (2017): Mit Ärger und Wut umgehen: Der achtsame Weg in ein friedliches Leben mit der Akzeptanz– und Commitment–Therapie (ACT). Hogrefe-Verlag.

    Interview mit Paul Ekman in der Süddeutschen Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/wissen/ein-luegenexperte-im-interview-mir-entgeht-kein-gesichtsausdruck-1.471158-5

    Ekman, Paul (2011): Ich weiß, dass du lügst: Was Gesichter verraten. Rororo-Verlag. – Andere Menschen durchschauen.

    Ekman, Paul (2016): Gefühle lesen: Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. Springer-Verlag. – Sich selbst erkennen.

    Birbaumer, N. & Schmidt, R. F. (2018): Biologische Psychologie. Springer-Verlag.

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    Susanne Schmieder

    Autorin: Susanne Schmieder

    Psychologin
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