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Menschliche Entwicklung von 7 bis 14 Jahren: Ich will die Welt verstehen!

„Schon fast erwachsen.“ – Dieser Satz geht Eltern häufiger durch den Kopf, wenn sie ihre Kinder in der Altersspanne zwischen sieben und vierzehn Jahren beobachten. Es ist eine spannende Zeit – für die „Kleinen“ und die Erwachsenen. Denn mit etwa elf Jahren beginnt bei den Mädchen die Pubertät, bei den Jungen fängt diese Phase zwei Jahre später an.

 

Dieser Beitrag dreht sich um die Menschliche Entwicklung von 7 bis 14 Jahren und die ersten großen Schritte vom Kind-Sein zum Erwachsen-Werden.

Menschliche Entwicklung von 7 bis 14 Jahren
Menschliche Entwicklung von 7 bis 14 Jahren

Das Erwachen des erwachsenwerden und die Entwicklung von 7-14 Jahren | Quelle: © lassedesignen - Adope Stock

Unsere Beiträge sind sehr ausführlich. Bitte nutzen Sie daher zur besseren Navigation das Inhaltsverzeichnis. Sollten Sie ergänzende Anregungen oder eigene Erfahrungen zum Thema besitzen? Freuen wir uns natürlich sehr über ein entsprechendes Kommentar am Ende des Beitrages.  

Wir wünschen eine inspirierende Lektüre!

 

Inhaltsverzeichnis
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    Denken und Fühlen

     

    „Ich denke also bin ich.“ oder „Hör auf dein Herz.“?

     

    Denken und Intelligenz – mehr als Sprachbegabung und Logisches Verständnis

     

    Rund um den Schuleintritt rückt für die Eltern die Frage nach der geistigen Leistungsfähigkeit ihres Kindes in den Vordergrund. Dabei fällt oft das Stichwort „Intelligenz“.

     

    Doch was genau bedeutet der Begriff?

     

    Intelligenz ist einerseits die Fähigkeit, sich an neue Situationen und Anforderungen von außen anzupassen. Gleichzeitig bedeutet Intelligenz, die Umwelt aktiv zu gestalten. Hierfür braucht ein Mensch die Fähigkeit, Probleme zu lösen, aus Erfahrung und durch Üben zu lernen, sowie abstrakt und logisch zu denken.

     

    Diese Sichtweise ist heute noch weit verbreitet und konzentriert sich primär auf logisch-mathematische und sprachliche Bereiche.

     

    Howard Gardner, Professor für Psychologie an der Universität Harvard setzte dieser Sichtweise sein Modell der multiplen Intelligenzen entgegen. Er geht davon aus, dass es verschiedene, voneinander unabhängige Intelligenzbereiche gibt. Diese Perspektive kann Eltern und auch Lehrern helfen, die Talente eines Kindes zu erkennen – jenseits der Schulfächer Rechnen/Mathematik, Deutsch und Englisch.

     

    Hier ein kurzer Überblick:

    • Linguistische Intelligenz, also ein Gespür für Sprache. Menschen können gut mit gesprochener und geschriebener Sprache umgehen. Beispiele hierfür sind Schriftsteller und Journalisten wie Juli Zeh oder Dunja Hayali.

       

    • Logisch-mathematische Intelligenz befähigt zum logischen und abstrakten Denken sowie zum Verständnis komplexer mathematischer Modelle. Naturwissenschaftler wie Marie Curie oder Wilhelm Conrad Röntgen verfügten über eine hohe logisch-mathematische Intelligenz.

       

    • Visuell-räumliche Intelligenz erlaubt eine gute Orientierung im mehrdimensionalen Raum – real und geistig. Künstlerinnen wie Gabriele Münter und Ingenieure, wie Robert Bosch zeichnen sich dadurch aus.

       

    • Musikalische Intelligenz bezieht sich auf aktive und passive musische Fähigkeiten wie Komposition eigener oder Analyse vorhandener Werke. Mozart oder Bach dürfen an dieser Stelle nicht ungenannt bleiben.

       

    • Körperlich-kinästhetische Intelligenz bedeutet, den eigenen Körper kontrolliert und koordiniert zu bewegen. Eiskunstläufer wie Katharina Witt oder Hans-Jürgen Bäumler oder die Turnerin Simone Biles versetzen die durchschnittlich Begabten beim Anblick ihres Könnens mit Staunen.

       

    • Sozial-interpersonale Intelligenz zeigt sich durch eine erhöhte Sensibilität für Gefühle und Motivation anderer Personen. Religiöse Führer, wie Martin Luther oder Mahatma Ghandi konnten zahlreiche Menschen mit ihren Worten berühren und sie für ihre Ideen begeistern.

       

    • Sozial-intrapersonale Intelligenz bedeutet dagegen, die inneren – psychischen und physischen Prozesse – bewusst wahrzunehmen und richtig einzuschätzen. Der Psychotherapeut Carl Rogers, der die Klienten-zentrierte Gesprächstherapie entwickelte, ist ein Beispiel dafür.

       

    • Naturalistische Intelligenz meint die Fähigkeit, Erscheinungen der Natur zu erkennen und adäquat einordnen zu können. Die renommierte Primatenforscherin Jane Goodall ist das beste Beispiel dafür.

       

    • Existenzielle Intelligenz bedeutet, sich mit Fragen nach dem Sinn und dem Wesen des Lebens, der Existenz von Leben auseinanderzusetzen und Antworten zu formulieren - das klassische Feld von Philosophie und Religion. Bedeutende Vorbilder in diesem Intelligenzbereich sind Denker wie Friedrich Nietzsche oder Sören Kirkegaard.

     

    Gene oder Umwelt – wer bestimmt die Intelligenz?

     

    Eine vielzitierte Untersuchung von Christiane Capron und Michele Duyme aus dem Jahr 1989 zeigt Folgendes: Sowohl Gene als auch Umwelteinflüsse wirken sich auf die intellektuellen Fähigkeiten aus – gleichzeitig und völlig unabhängig voneinander.

     

    Wie kam das Ergebnis zustande? – Die beiden Forscher untersuchten Adoptivkinder mit sehr gut und weniger gut situierten leiblichen Eltern bzw. Adoptiveltern. Das Ergebnis ihrer Untersuchung ergab, dass Kinder, deren leibliche Eltern wohlhabend waren, einen höheren IQ hatten, als Kinder von sozial benachteiligten leiblichen Eltern – und zwar unabhängig vom sozialen Status der Adoptiveltern. Gleichzeitig fanden die Wissenschaftler heraus, dass Kinder mit wohlhabenden Adoptiveltern einen höheren IQ aufweisen, als Kinder von sozial benachteiligten Adoptiveltern – egal welchen sozialen Status die leiblichen Eltern hatten.

    (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2746170/)

     

    Richard A. Weinberg und sein Team von der University of Minnesota gehen davon aus, dass der IQ-Wert durch Umwelteinflüsse zwischen 20 und 25 Punkten um den genetisch festgelegten Wert schwankt – nach oben und nach unten.

    (Quelle: https://doi.org/10.1037/0003-066X.44.2.98)

     

     

    Sprachkompetenz und Leistungsdenken

     

    Zwischen dem siebten und vierzehnten Lebensjahr wird die Sprache immer wichtiger. Sie wird zum Transportmittel für Wissen. Kinder in diesem Alter stellen viele Fragen – manchmal auch zum Leidwesen der Eltern und Angehörigen, die oft selbst die Antworten nicht kennen.

     

    Außerdem entsteht während dieser Phase ein intensives Schamgefühl. Urplötzlich verschließen sie die Badezimmertür und pochen auf ihre Privatsphäre. Besonders den Eltern gegenüber grenzen sie sich ab. Dieses Bedürfnis nach Abgrenzung sollte von den Erwachsenen respektiert werden. Gar nicht so einfach, schließlich fällt diese Scham-Phase in eine Zeit, in der die sexuelle Aufklärung ansteht – das kann peinlich werden. Erwachsene sollten daher unbedingt dem sachlichen Interesse folgen, also kurz und prägnant die Geschlechtsteile benennen und den Zeugungsvorgang erklären.

     

    Ein Hinweis: Auch als Single ohne Kind können Sie mit den Fragen von Heranwachsenden konfrontiert werden. Wenn Sie an Ihre Grenzen stoßen oder keine Lust mehr auf das Frage-Antwort-Spiel haben, seien Sie ehrlich. Denn: Fragen zu ignorieren oder sogar bewusst eine falsche Antwort zu geben ist keine geeignete Strategie. Sie frustrieren das wissbegierige Kind und hemmen seine Freude am Lernen und Forschen.

     

    Entwicklungsforscher können inzwischen eindeutig nachweisen, dass das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern noch von einem Gefälle im Sinne von „Wissenden“ und „Nichtwissenden“ gekennzeichnet sein sollte. Erwachsene sind Lernbegleiter, keine Besserwisser und Alleskönner. Schließlich sollen Kinder mit Freude lernen und forschen und sich dabei zu eigenständigen Persönlichkeiten entwickeln.

     

    Diese Haltung dient beiden Seiten. Denn Kinder in diesem Alter hinterfragen im Prinzip alles, akzeptieren nicht die erste Antwort, kennen keine Denkverbote und bilden sich ihre eigene Meinung. Dieses offene Denken verliert sich im Laufe der Jahre oft und Privatpersonen genauso wie Firmen investieren große Summen, um das „Think outside the Box“, also das Denken außerhalb  festgelegter Schubladen wieder zu lernen.

     

    Deshalb: Egal, wie alt Sie sind, machen Sie sich auf den Weg und legen Sie Ihre Neugier frei. Die Evolution hat es nämlich so eingerichtet, dass neue Erkenntnisse das Belohnungssystem aktivieren und uns somit zu etwas glücklicheren Menschen machen.

     

    Das Streben nach neuen Erkenntnissen offenbart zusätzlich wachsendes Leistungsdenken. Kinder dieser Altersgruppe vergleichen sich mit ihren Altersgenossen. Erwachsene sollten jedoch überzogenen Ehrgeiz der Kinder zügeln und nicht zusätzlich befeuern. Zu ehrgeiziges Verhalten kann in Einzelkämpfertum und Isolation münden.

     

     

    Gefühle – mit Soft Skills Beziehungen gestalten

    Gefühle – mit Soft Skills Beziehungen gestalten
    Gefühle – mit Soft Skills Beziehungen gestalten

    Die Entwicklng von Softskills ist für Beziehungen unerlässlich | Quelle: © jirsak - Adope Stock

    Bis zum Eintritt in die Pubertät lernen Kinder, selbst mit ihren Gefühlen umzugehen. Einerseits bestimmt das individuelle Temperament das Verhalten: Lässt es sich leicht ablenken? Wie intensiv reagiert es auf innere und äußere Reize wie Hunger, Müdigkeit oder Zuwendung? Verhält es sich aktiv oder eher ruhig? Wie lange braucht es, um sich an eine Veränderung anzupassen? Verfügt es über eine positive oder eher negative Grundstimmung?

     

    Aktuell gehen Forscher davon aus, dass das Temperament zu etwa fünfzig Prozent genetisch bestimmt ist. Das bedeutet: Es ist ausreichend Entwicklungspotenzial vorhanden. (vgl. Lohaus/Vierhaus, 2019, S. 178.) Falls Sie gerade Single sind und nicht ganz sicher, ob Sie eine Familie gründen möchten, kann das folgende Forschungsergebnis interessant sein: Die New Yorker Ärzte Alexander Thomas und Stella Chess untersuchten über einen Zeitraum von 30 Jahren das Temperament von Kindern. Sie fanden heraus, dass 65 Prozent der Kinder einfach und unkompliziert waren. Nur 15 Prozent stuften sie als schwierig ein. Die restlichen 20 Prozent fielen in die Kategorie „tauen langsam auf“.

    (Quelle: https://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007%2F978-0-387-79061-9_2912https://psycnet.apa.org/doiLanding?doi=10.1037%2F0003-066X.58.5.364)

     

    Bei all diesen Feststellungen darf der Einfluss der Eltern und anderer Bezugspersonen nicht vergessen werden. Schließlich kann auch ein „schwieriges“ Kind durch gezielte Förderung und einem geduldigen, wohlwollenden Umfeld ein erfolgreiches und erfülltes Leben führen.

     

    Man könnte es auch so formulieren: Das Lebensglück hängt weder an einem Hochschulabschluss noch an irgendeiner Art von Hochbegabung. Jeder Mensch ist einzigartig und besonders. Diese Vollkommenheit ist jedoch nicht mit Perfektion zu verwechseln. Die aktuellsten Erkenntnisse der positiven Psychologie zeigen, dass die eigene innere Haltung und Fähigkeiten wie Dankbarkeit und Achtsamkeit die Lebenszufriedenheit nachhaltig erhöhen. Professor Tobias Esch ist als Forscher und praktischer Arzt ein Pionier auf diesem zukunftsweisenden Feld.
    (Quelle: https://www.thieme.de/de/presse/prof-dr-tobias-esch-lebenslauf-29419.htm)

     

    Während Kinder im Vorschulalter von ihren Gefühlen oft noch überrollt werden, schaffen sie es nach und nach immer besser, selbst mit ihren Emotionen umzugehen. An dieser Stelle gehen emotionale und geistige Reifung Hand in Hand. Denn: Je besser ein Kind die Folgen seines Handelns einschätzen kann, desto leichter fällt es ihm, Gefühle zu kanalisieren. Ein Beispiel: Der achtjährige Tom spielt mit seinem Ball. Jannik nimmt ihm das runde Leder ab und wirft es seinem Freund Benedikt zu. Tom presst die Lippen zusammen. Er ist wütend und würde Jannik am liebsten einen Schlag verpassen. Doch er weiß: Wenn er dem Impuls nachgibt, hätte er zwei Freunde gegen sich aufgebracht, er wäre ihnen unterlegen. Außerdem würde er sich zuhause ebenfalls Ärger einhandeln. Tom entscheidet sich zu warten, bis die beiden Jungs das Interesse an seinem Ball verloren haben und beschäftigt sich in der Zwischenzeit mit seinem Smartphone.

     

    Mit Beginn des Jugendalters – also ab dem 12. Lebensjahr – orientieren sich Mädchen und Jungen vermehrt an ihren Geschlechtsgenossen und Genossinnen. Die Freundschaften vertiefen sich und der Wert, von Gleichaltrigen akzeptiert zu werden steigt. Im Vorschulalter werden Freundschaften nach tagesaktuellen Geschehnissen geschlossen und wieder gekündigt. Mit dem Schuleintritt spielen gemeinsame Interessen, gegenseitige Unterstützung und Vertrauen eine immer größere Rolle. Freundschaften bieten einen geschützten Raum außerhalb des Elternhauses. Sie sind enorm wichtig für die weitere Entwicklung des Kindes.

     

    Geschlechtsspezifische Unterschiede im Umgang mit Gefühlen werden ebenfalls deutlich. Während Mädchen nach sozialer Unterstützung suchen, wenn sie verunsichert sind, greifen Jungen eher zu äußeren Strategien. Dieser Unterschied bleibt tendenziell bis ins Erwachsenenalter bestehen. Das bedeutet: Mädchen und Frauen lösen emotionale Konflikte, indem sie sich Unterstützung, Austausch und Zuspruch suchen. Gelingt dies nicht, richten sich die Folgen ebenfalls nach innen. Frauen und Mädchen neigen stärker zu Ängstlichkeit, sozialem Rückzug und Depressionen. Jungen und Männer leben ihre Gefühle aus, sie zeigen häufiger aggressives und antisoziales Verhalten, greifen jedoch auch öfter zu Drogen, um Stress zu reduzieren.

     

    Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede haben sich in den letzten Jahrzehnten reduziert, sind aber immer noch deutlich beobachtbar.

     

     

    Eine Anmerkung zum Thema Hochbegabung

     

    Das Selbstkonzept: Wer bin ich?

     

    Mit dem Schulbeginn trifft das Kind auf viele Gleichaltrige und die Zeit des Vergleichens beginnt. Auf diese Weise lernen Kinder, sich selbst einzuschätzen und erweitern ihr Wissen über sich selbst. Natürlich spielt auch hier die Qualität der Umgebung eine wichtige Rolle. Besonders interessant ist der sogenannte „Fischteich-Effekt“. Der besagt, dass eine Person die eigene Leistung höher einschätzt, wenn sie sich in einem leistungsschwächeren Umfeld befindet. Ist die Bezugsgruppe leistungsstark, erlebt sich dieselbe Person als weniger leistungsfähig. Das bedeutet: Das soziale Umfeld beeinflusst die Entwicklung des leistungsbezogenen Selbstkonzeptes.

     

    Herbert W. Marsh und sein Kollege Kit-Tai Hau untersuchten diesen Effekt in einer großen Studie in 26 verschiedenen Kulturen unter anderem in Mexiko, den USA, Korea und Tschechien. Das Ergebnis: der Fischteich-Effekt zeigt sich in allen Kulturen gleichermaßen. Er kann als universell angesehen werden.

    (Quelle: https://psycnet.apa.org/doiLanding?doi=10.1037%2F0003-066X.58.5.364).

     

    Die Vergleiche mit den Mitschülern und die Rückmeldungen der Lehrer führen dazu, dass sich die Selbstwahrnehmung der Kinder ausdifferenziert. Während Vorschulkinder sich selbst nach dem „Alles-oder-Nichts-Prinzip“ beurteilen, können Schulkinder positive als auch negative Aspekte in ihr Selbstkonzept integrieren. Ein Beispiel: Die fünfjährige Mia ärgert ihren dreijährigen Bruder Max solange, bis dieser weint. Die Mutter erklärt ihr daraufhin, dass sie sehr enttäuscht und wütend über ihr Verhalten ist. Mia beginnt ebenfalls zu weinen und wirft ihrer Mutter vor, sie überhaupt nicht zu mögen. Mia kann nicht zwischen Kritik an ihrem aktuellen Verhalten und einer Ablehnung als Person unterscheiden. Kinder in der Grundschule verstehen, dass die Mutter das Verhalten ablehnt, sie jedoch trotzdem noch genauso liebt.

     

    Ab dem elften bis dreizehnten Lebensjahr legt die Selbstfindung und das Bilden einer eigenen Identität noch einen Gang zu. Das Denken kreist häufig um die eigene Person, Selbstreflexion ist äußerst wichtig für diesen Prozess. Heranwachsende suchen nach einem konstanten Wesenskern, der sie kennzeichnet und als einzigartige Persönlichkeit erscheinen lässt. Der Körper spielt dabei eine zentrale Rolle. Er wird nach Attraktivität, Fitness und Kraft beurteilt. Martin Hagger und seine Kollegen fanden in einer 2005 veröffentlichten Studie heraus, dass beide Geschlechter für die Bildung des körperbezogenen Selbstkonzepts dieselben Kriterien verwenden, Jungen durchgängig höhere Werte als Mädchen erreichen.

    (Quelle: https://repository.nie.edu.sg/handle/10497/14657)

     

    Die Pubertät oder: Wer ist hier komisch?

     

    Eine zentrale Gehirnregion, der Hypothalamus, bildet Neurokinin B – der Startschuss für die Pubertät.

    Das menschliche Gedächtnis - Der Hypothalamus
    Das menschliche Gedächtnis - Der Hypothalamus

    Der Hypothalamus | Grafik: ALL4SINGLES | Quelle: https://human-memory.net/hypothalamus/

    Ab diesem Zeitpunkt beginnen körperliche und psychische Veränderungen, die für die Heranwachsenden und ihr Umfeld oft anstrengend sind.

     

    Gleich an dieser Stelle muss gesagt werden: Die körperlichen Veränderungen machen auch vor dem Gehirn nicht halt.

     

    Erstens werden nicht benötigte – oder anders gesagt: wenig genutzte – Nervenzellen abgebaut. Gleichzeitig verstärken sich die Nervenbahnen zwischen häufig gebrauchten Neuronen. Informationen werden schneller weitergeleitet.

     

    Außerdem darf nicht vergessen werden, dass sich die Motorik möglichst schnell dem rasanten Körperwachstum anpassen muss. Besonders Jungs leiden, wenn sie gefühlt über Nacht plötzlich dreißig Zentimeter größer sind als am Tag zuvor. Sie wirken unbeholfen und werden deshalb Ziel von „blöden“ Sprüchen. Genau betrachtet sind derartige Bemerkungen äußerst unfair. Stellen Sie sich vor, Ihr Gedächtnis hat gespeichert, wie Sie Ihren Arm bewegen müssen, um die Frühstücksflocken vom Küchenschrank zu hieven. Nun befinden Sie sich mitten in einem Wachstumsschub, Ihre Arme sind länger und der Körper größer. Die automatisierte Handbewegung, der Griff zum Müsli-Karton funktioniert nicht mehr. Sie greifen ins Leere, oder noch schlimmer: Die Packung fällt vom Schrank und der Inhalt verteilt sich über den Boden. Sie sind nicht tollpatschig. Die Hirnareale, die für die Bewegung und Koordination zuständig sind, müssen sich neu ausrichten. Das kostet Energie. Kein Wunder also, dass vor allem der immense Appetit und das ausufernde Schlafbedürfnis in diesem Alter besonders auffallen.

     

    Ein weiterer Hirnbereich – das limbische System – ist von diesem Prozess ebenfalls betroffen. Dort werden emotionale Reize und Gefühle verarbeitet und produziert.

    Das Lymbische System
    Das Lymbische System

    Das limbische System | Grafik: ALL4SINGLES | Quelle: https://wikimedia.org

    Im Vorderhirn, dem präfrontalen Kortex, entwickeln sich Funktionen wie die Steuerung der Aufmerksamkeit und Verhaltensplanung und -kontrolle).

     

    Eine „Baustelle“ in diesen Regionen kann zu Fehlfunktionen führen. Gleichzeitig verändert sich der Gehirnstoffwechsel. So vermindert sich beispielsweise die Ausschüttung von Dopamin und Serotonin im limbischen System. Diese Botenstoffe sorgen für gute Stimmung. Kein Wunder also, dass während der Pubertät negative Gefühle zunehmen und die Stimmung in den Keller rutscht. 

     

    Diese Umstrukturierungen, Reifungsvorgänge und Hormonschwankungen führen zu emotionalen Achterbahnfahrten – die typischen Folgen wie widersprüchliches Verhalten und Gefühlsausbrüche sind berüchtigt und weithin bekannt.

     

    Das ganze Paket an Veränderungen dient dazu, sich vom elterlichen Umfeld zu lösen, neue Erfahrungen zu machen und den eigenen Lebensweg zu gehen.

     

    Die Pubertät und die Altersspanne bis zum 21 Lebensjahr beschäftigen uns im nächsten Artikel. Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

     

    Weitere Informationen gibt es hier:

    • Lohaus, A. & Vierhaus, M. (2013): Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters für Bachelor: Lesen, Hören, Lernen im Web (Lehrbuch mit Online-Materialien). Springer-Verlag.
    • Jungbauer, J. (2017): Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters: Ein Lehrbuch für Studium und Praxis sozialer Berufe. Beltz-Juventa-Verlag.
    • Esch, Tobias (2017): Die Neurobiologie des Glücks: Wie die Positive Psychologie die Medizin verändert. Thieme-Verlag.
    • Webb, James T. et al. (2017): Hochbegabte Kinder: Das große Handbuch für Eltern. Hogrefe-Verlag.
    • Hüther, G. & Hauser, U. (2013): Jedes Kind ist hoch begabt: Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus ihnen machen. Btb-Verlag.

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    Susanne Schmieder

    Autorin: Susanne Schmieder

    Psychologin
    Mit Worten jonglieren, den richtigen Ton treffen und die Leser wertvoll informieren - das macht mir großen Spaß. Als Diplom-Psychologin verfasse ich hilfreiche und nützliche Fachartikel. Das bedeutet für mich Faszination und Herausforderung zugleich.

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