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Konflikte in der Liebe lösen: Der Streit – wie funktioniert streiten richtig?

Paare streiten sich – und es fliegen oft ordentlich die Fetzen: Manchmal greifen wir in unsere verbale Trickkiste, um wüste Beleidigungen hervorzukramen. Manchmal ziehen wir uns zurück, ignorieren unser Gegenüber und strafen diesen mit konsequentem Schweigen. Wofür auch immer wir uns entscheiden: Konflikte gehören zur Liebe dazu. Dennoch fällt es vielen von uns nicht leicht, Streit als eine Bereicherung der Partnerschaft zu sehen – denn Harmonie ist bekanntlich gemütlicher. Warum können wir Konflikte nicht einfach umgehen? Was sind die häufigsten Gründe für einen Streit in einer Liebesbeziehung? Hier kommt die Aufklärung – und wertvolle Tipps, wie Sie Streitsituationen nutzen, um Ihre Partnerschaft zu stabilisieren.

Mann klebt Frau den Mund zu um Streit zu vermeiden
Mann klebt Frau den Mund zu um Streit zu vermeiden

Konflikte und Streit in der Beziehung | Quelle: © Elnur - Adope Stock

Unsere Beiträge sind sehr ausführlich. Bitte nutzen Sie daher zur besseren Navigation das Inhaltsverzeichnis. Sollten Sie ergänzende Anregungen oder eigene Erfahrungen zum Thema besitzen? Freuen wir uns natürlich sehr über ein entsprechendes Kommentar am Ende des Beitrages.  

Wir wünschen eine inspirierende Lektüre!

Inhaltsverzeichnis
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    Streit, Clinch, Gezanke: Was ist das eigentlich?

     

    Wer an Streit in der Partnerschaft denkt, assoziiert den Begriff "Konflikt" häufig mit einem verbalen (oft aggressiven) Schlagabtausch zwischen zwei Liebenden, die mit verletzenden Wörtern und Sätzen um sich werfen – und sich gegenseitig dort treffen, wo es am meisten schmerzt. Streit verbinden wir mit Disharmonie, Trauer, Enttäuschung, Stress. Wer sich also einen Clinch mit seinem Partner liefert, fühlt sich häufig überfordert und macht sich nicht selten Gedanken über die Zukunft der Beziehung. 

     

    Die Sozialforschung hat unterschiedliche Ansätze, um einen Konflikt zu beschreiben. Worüber sich die meisten Forscher jedoch einig sind: Streit gehört zu jeder Paarbeziehung dazu¹. Psychologen und Sozialforscher unterscheiden zwischen dem sogenannten dyadischen Konflikt und den inneren Konflikt²:

    • Dyadischer Konflikt: Der dyadische Konflikt beschreibt einen Streit zwischen zwei Personen, besonders in Paarbeziehungen. Hierbei handelt es sich stets um ein Abhängigkeitsverhältnis. Wir sind beispielsweise "abhängig" von der emotionalen oder körperlichen sowie finanziellen Zuwendung des Partners. Wichtig: Das Wort Abhängigkeit ist in diesem Fall nicht zwangsläufig negativ behaftet. So gehören zum Beispiel Abhängigkeiten zwischen Mutter und Kind zum Leben dazu, denn das Neugeborene ist auf die Bezugsperson für das eigene Überleben angewiesen.Um den Streit zwischen Paaren besser zu verstehen, geht es in diesem Artikel deshalb vor allem um den dyadischen Konflikt.
    • Innerer Konflikt: Der innere Konflikt, auch als intrapersonaler Konflikt bekannt, findet in uns selbst statt. Damit ist gemeint, dass diese Art von Streit sich in erster Linie nicht auf außenstehende Personen bezieht. Ein klassisches Beispiel für den inneren Konflikt: Ihre Eltern haben Sie christlich erzogen. Als erwachsener Mensch entscheiden Sie sich später dafür, die Kirche nicht mehr zu besuchen, weil Sie sich selbst nicht von der Religion überzeugen können. Es entstehen zunächst Schuldgefühle, wenn wir uns abwenden. Diese münden nicht selten in einem inneren Konflikt, den wir – wenn uns eine Situation triggert – häufig deutlich zu spüren bekommen. Innere Konflikte, die sich festsetzen und uns blockieren, führen manchmal zu psychischen Problemen.

     

     

    Sieben häufige Gründe für einen Paarkonflikt

    Gründe für einen Paarkonflikt
    Gründe für einen Paarkonflikt

    Gründe für einen Paarkonflikt | Grafik: ALL4SINGLES

    Ob Affären, unerledigte Aufgaben im Alltag oder einfach Lustlosigkeit: Ein Konflikt in der Partnerschaft entsteht aus unterschiedlichen Gründen. Was sie alle gemeinsam haben: unerfüllte Bedürfnisse. Häufige Gründe für einen Streit: 

     

     

    Eifersucht

     

    Eifersucht gehört bekanntlich zu den wohl häufigsten Gründen, weshalb Paare sich streiten. Das Gefühl, ständig um die Aufmerksamkeit und Liebe des Partners mit anderen zu konkurrieren, nagt ganz schön am eigenen Ego. Das ist es auch: Eifersucht ist ein bekanntes "Ego-Problem", denn wir kämpfen mit unserem Selbstwertgefühl, fühlen uns verunsichert und nicht gut genug. Zeigt sich Eifersucht nur gelegentlich, deuten wir diese auch als Zeichen dafür, wie wichtig unser Partner uns ist. Sobald diese jedoch zum Alltag wird, belastet sie häufig die Beziehung – und führt zu größeren Streitigkeiten. Nicht selten führen Eifersuchtsdramen zu Entscheidungen, die viele Menschen hinterher bereuen: Wir stalken unsere Partner, rächen uns, weil wir das Gefühl haben, dass wir hintergangen werden – oder trennen uns, weil wir die emotionale Belastung nicht länger aushalten. Häufig fordern Betroffene Liebesbeweise, die nicht oder nur schwer zu erfüllen sind. Somit birgt das Thema Eifersucht oft ein großes Konfliktpotenzial. 

     

     

    Sexuelle Frustration

     

    Im Bett läuft es nicht so gut? Die gute Nachricht: Die sexuelle Flaute kennt fast jedes Paar. Wer sexuell frustriert ist, sich nicht ausleben kann oder seine Bedürfnisse in der Partnerschaft schlichtweg nicht kommuniziert, muss sich auf Konflikte innerhalb der Beziehung einstellen. Wir alle wissen jedoch: Sex ist ein Thema, welches nicht einfach zu verbalisieren ist. Wir verbinden sexuelle Fantasien oft mit einem größeren Schamgefühl – und verdrängen unsere Wünsche lieber, um nicht zu riskieren, dass wir uns vor unserem eigenen Partner bloßstellen. Das ist jedoch nicht alles: Nicht nur das Nicht-Kommunizieren führt zur sexuellen Frustration, sondern auch, dass der eine Partner vielleicht grundsätzlich weniger Lust auf den Liebesakt verspürt. Streit ist bei diesem heiklen Thema also vorprogrammiert. 

     

     

    Zu wenig Zeit für die Partnerschaft

     

    Sie sehen Ihren Partner oft nur nach Feierabend und finden leider auch am Wochenende kaum Zeit füreinander? Unsere alltäglichen Verpflichtungen führen häufig dazu, dass die Beziehung unter dem Zeitmangel leidet. Das Ergebnis: Zeitmangel wird zur Normalität. Oft nehmen wir unser "Schicksal" so hin – und merken, wie die Partnerschaft langsam daran zerbricht. Wer zu wenig Zeit für seinen Partner hat und keinen Konsens findet, wird automatisch mit Konflikten rechnen müssen. Zeitmangel begünstigt zudem weitere Probleme. Schließlich geht es nicht nur darum, dass wir unseren Partner selten zu Gesicht bekommen und die Gewissheit haben, dass dieser für uns da ist. Es geht – wie in allen Konflikten – um unerfüllte Bedürfnisse, die auf der Strecke bleiben. Wir kuscheln seltener, haben vielleicht weniger Sex und selten Zeit für tiefsinnige Gespräche. Möglicherweise bekommen wir nicht mehr mit, wie es dem Partner wirklich geht. Eine mögliche Folge: Der Partner zieht sich langsam zurück.

     

     

    Langeweile und fehlende Gemeinsamkeiten

     

    Sie führen kaum Aktivitäten mit Ihrem Partner durch – und grundsätzlich fehlen die Gemeinsamkeiten? Auch das ist ein häufiger Grund, weshalb es zu Konflikten in einer Liebesbeziehung kommt. Gemeinsamkeiten tragen oft dazu bei, dass wir uns mit unserem Partner auf emotionaler Ebene besonders verbunden fühlen. Wir lachen zusammen, gehen gemeinsam auf Entdeckungsreise und fördern unsere Kreativität. Wenn Gemeinsamkeiten fehlen, ist Langeweile nicht fern. Das heißt auch, der Spaß kommt zu kurz, Frustration kündigt sich an – und die fehlende Verbundenheit führt zu einem Konflikt. 

     

     

    Die Annahme, dass die Beziehung "wie am Anfang" zu sein hat

     

    Am Anfang der Beziehung ist alles perfekt: Die berühmten Schmetterlinge im Bauch sind da, unser Partner ist aufmerksam – alles fühlt sich gut und neu an. Das böse Erwachen: Diese erste Verliebtheitsphase geht vorbei. Langsam merken wir, was uns an unserem Partner stört. Wer schon länger zusammen ist, kennt diese Gefühle. Oft wünschen wir uns, dass alles so "wie früher" wird. Vielleicht erwarten Sie von Ihrem Partner, dass dieser aufmerksamer ist, Sie mehr Sex haben, die Spannung steigt und die alten Gefühle wieder aufkommen. Das Problem: Es handelt sich in der Regel um unrealistische Erwartungen, denn jede Anfangsphase geht vorbei. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie keine erfüllte Beziehung führen können. Dennoch gilt: Viele Menschen neigen dazu, an der Anfangsphase der Beziehung festzuhalten und liefern so den perfekten Zündstoff für Konflikte. Umso frustrierender ist am Ende die Erkenntnis, dass Beziehungen sich stetig verändern. Eine Tatsache, die wir nicht einfach so hinnehmen möchten und uns deshalb häufig mit unserem Partner streiten. Wir klammern uns hartnäckig an die gemeinsame Vergangenheit – und genießen unsere Gegenwart kaum. 

     

     

    Das Umfeld

     

    Wenn die Schwiegereltern sich in die Beziehung einmischen oder gute Freunde ihren Senf zu Ihrer Partnerschaft dazugeben, kann das Umfeld zur Konfliktförderung beitragen. Der Teufelskreis: Sie fühlen sich vielleicht verunsichert in der Partnerschaft und erhoffen sich einen guten Rat und Zuspruch aus dem Umfeld. So kommt es nicht selten vor, dass wir Situationen, die uns in der eigenen Partnerschaft stören, mit der besten Freundin analysieren oder mit dem Kumpel besprechen. Grundsätzlich ist das nicht verkehrt: Frust muss und soll raus. Wir wollen uns verstanden fühlen. Wer jedoch größere Konfliktpunkte nicht direkt mit dem Partner bespricht, riskiert, dass diese komplett untergehen. Ein negatives Wort aus dem Umfeld – und schon befeuern Sie Ihr eigenes Drama in der Partnerschaft. Unser Partner fühlt sich vielleicht hintergangen, weil wir unsere Bedürfnisse nicht offen mit demjenigen besprechen, den es betrifft. Ein großer Streitpunkt in Beziehungen. 

     

     

    Alltagstrott

     

    Der Müll muss noch raus, die stinkenden Socken gehören nicht aufs Bett und sowieso kümmern Sie sich ganz allein um den Haushalt, während Ihr Partner sich auf der Couch vergnügt. Oder: Sie wünschen sich Entspannung, aber Ihr Partner scheucht Sie durch die Wohnung, redet ununterbrochen und beklagt sich dauernd über die neuen Nachbarn, das schlechte Essen in der Kantine und nervige Kollegen. Kennen Sie diese Situationen? Wer im Alltagstrott versinkt, merkt schnell, wie die Beziehung leidet. Denn: Alltag kann ziemlich unromantisch sein – und schließlich dazu führen, dass wir uns oft wegen Kleinigkeiten streiten. Dabei fühlen sich vor allem alltägliche Streitereien sehr belastend für Betroffene an. Wir bekommen schnell das Gefühl, dass die Partnerschaft überwiegend aus Konflikten besteht.

    • Eifersucht: Das Thema Eifersucht kommt in Paarbeziehung oft vor und gehört zu den häufigsten Gründen für einen Konflikt.
    • Sexuelle Frustration: Wer sich in der Partnerschaft sexuell frustriert fühlt und seine Bedürfnisse nicht kommuniziert, liefert einen Grund für Streitigkeiten.
    • Zu wenig Zeit: Zeitmangel führt dazu, dass die Partnerschaft zu kurz kommen. Auch das ist ein häufiger Grund für Auseinandersetzungen in der Beziehung.
    • Wenig gemeinsame Unternehmungen/Interessen: Es fehlen die Gemeinsamkeiten? Wenn Paare kaum Aktivitäten planen, kommt nicht selten Langeweile in der Partnerschaft auf. Ein Konflikt entsteht.
    • Die Sehnsucht nach dem magischen Anfang: Viele Paare sehnen sich nach ihrer gemeinsamen Anfangszeit, obwohl Liebesbeziehungen sich stetig verändern. Ein Grund für Frust und Streit.
    • Die Meinungen aus dem Umfeld: Häufig kommt es zu Konflikten zwischen einem Paar, wenn sich das Umfeld oft in die Beziehung einmischt.
    • Der Alltag: Alltagstrott gilt als besonders unromantisch und führt dazu, dass wir die "rosarote Brille" abnehmen. Konflikte sind vorprogrammiert, denn nun stören uns die Macken des Partners.

     

    Was bringt mir ein Konflikt mit meinem Partner?

     

    Konflikte in der Liebe haben Vor- und Nachteile. Sie besitzen das Potenzial, dass die Partnerschaft an ihnen wächst – oder schlichtweg zu Grunde geht.

     

    Die Vorteile eines Konflikts:

    • Paare lernen, wie Sie Ihre Bedürfnisse äußern: Längst wissen wir, dass unser Gegenüber keine Gedanken lesen kann. Dennoch erhoffen wir uns in Paarbeziehungen zumindest etwas "Gedankenlesekraft" von unserem Partner. Schließlich kennt unser Partner uns gut. Die Wahrheit ist: Wir können einen Menschen gut kennen und trotzdem nicht immer zu 100 Prozent richtig mit unserer Einschätzung liegen. Streit in der Beziehung gibt uns die Chance, unsere Bedürfnisse schließlich zu verbalisieren – mit etwas Nachdruck und vielleicht mithilfe einer anderen Lautstärke. Der Vorteil: Streitmomente bleiben oft im Gedächtnis. Deshalb fällt es uns nach einer Auseinandersetzung sicherlich etwas leichter, uns an die Bedürfnisse und Wünsche des Partners zu erinnern.
    • Sie lernen persönliche Grenzen Ihres Partners kennen: Unsere eigenen Grenzen unterscheiden sich von den Grenzen unseres Partners. Häufig gehen wir jedoch von unserer eigenen Position aus und vergessen, dass wir Individuen mit individuellen Erfahrungen und Prägungen aus der Vergangenheit sind. Während Sie sich beispielsweise vor großen Tieren fürchten und sich deshalb keinen Hund zulegen möchten, ist es möglich, dass Ihr Partner sich ein Leben ohne Hund nicht vorstellen kann. Eine verzwickte Situation. Wer offen streitet und es auf einen Konflikt ankommen lässt, lernt die Beweggründe seines Gegenübers besser kennen – und versteht die Grenzen nun möglicherweise etwas besser.
    • Gemeinsam lernen Sie, was echte Empathie bedeutet: Auch dieser Punkt bezieht sich auf die persönlichen Grenzen des Partners. Hinzu kommt, dass Sie durch einen Streit lernen, sich in alle möglichen Situationen des Partners hineinzuversetzen. Die Fähigkeit, echte Empathie zu empfinden, kann die Beziehung bereichern und auch die persönliche Entwicklung fördern. Der Vorteil eines Konflikts besteht deshalb auch darin, zu lernen, andere Perspektiven schneller und besser einzunehmen.
    • Streit wirkt erfrischend: Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie sich nach einer saftigen Auseinandersetzung so richtig belebt fühlen? Damit sind Sie nicht allein: Viele Menschen fühlen sich häufig lebendiger, aufgeweckter und befreiter, wenn Sie sich beispielsweise die Seele aus dem Leib schreien und ihrem Ärger Platz machen. Diese "reinigende" Wirkung kann auch ein Streit mit dem Partner haben. Es geht noch weiter: Nicht selten empfinden Paare einen Streit sogar als besonders beziehungsfördernd, denn dieser kann frischen Schwung in die Partnerschaft bringen, die Libido befeuern und angestauten Frust lösen.

     

    Die Nachteile eines Konflikts:

     

    • Paare definieren ihre Beziehung über die negativen Aspekte der Partnerschaft: Wer viel streitet, neigt oft dazu, das Negative der Beziehung zu betonen. Die positiven Aspekte gehen langsam unter – und wir fühlen uns verunsichert in der eigenen Partnerschaft.
    • Eine negative Streitkultur kann zu tiefen Verletzungen führen: Sie finden nur selten einen Konsens mit Ihrem Partner und stellen fest, dass Streit Ihren Zustand verschlimmert? Wer "falsch" streitet – keine Fehler einsieht, sich selten entschuldigt, die Schwächen des Gegenübers als Zielscheibe verwendet – riskiert, bleibende Verletzungen und psychische Schäden beim Partner zu hinterlassen. Familienforscher vermuten, dass ein dysfunktionales Streiten sich negativ auf die Zufriedenheit in Partnerschaften auswirkt und die Stabilität der Beziehung gefährdet³.
    • Häufiger Streit wirkt sich auf die Beziehungsqualität aus: Die Qualität einer Beziehung hängt häufig von unterschiedlichen Faktoren ab. So finden einige Paare es besonders wichtig, tiefsinnige Gespräche zu führen, während andere Paare großen Wert auf ein erfülltes Sexleben legen. Streit kann manchmal die Beziehungsqualität insgesamt verschlechtern, wenn wir keinen Kompromiss für die besonderen Punkte finden, über die wir unsere Beziehungsqualität definieren.

     

     

    Wie funktioniert gutes Streiten?

    Streit und die wichtigsten Faktoren
    Streit und die wichtigsten Faktoren

    Erfolgsorientiertes Streiten | Grafik: ALL4SINGLES

    Richtig streiten und die Beziehung stabilisieren – das will gelernt sein. Wer Konflikte als Chance begreift, ist bereits den ersten Schritt in Richtung Beziehungszufriedenheit gegangen. Folgende Tipps helfen Ihnen und Ihrem Partner dabei, eine gesunde Streitkultur innerhalb der Partnerschaft zu entwickeln: 

     

     

    Gemeinsamkeiten und Unterschiede annehmen

     

    Ein häufig genutzter Ansatz aus der Psychotherapie mit Paaren, der sinnvoll für die Entwicklung einer gesunden Streitkultur erscheint⁴: Wir müssen lernen, dass wir Individuen mit einer unterschiedliche Biographie sind und diese Tatsache wertschätzen. Häufig streiten wir, weil wir die Andersartigkeit unseres Partners nicht mit unseren Vorstellungen vereinen können. Dabei gilt: Wer die Unterschiede als Hindernis betrachtet und nur nach Gemeinsamkeiten sucht, steht sich selbst im Weg. Versuchen Sie deshalb, die Unterschiede in der Beziehung als einen Teil der Partnerschaft zu betrachten. Wer diese annimmt und schätzt, kann sich gut streiten – ohne den verzweifelten Versuch zu unternehmen, den Partner krampfhaft verändern zu wollen.

     

     

    Gefühle unbedingt verbalisieren

     

    Eine einfache Regel, die jedoch nicht oft genug betont werden kann: Bringen Sie Ihre Gefühle zum Ausdruck. Scheuen Sie sich nicht davor, Ihren Partner damit auch mal zu verletzen. Zu einer gesunden Streitkultur gehört, dass Sie Ihre Wut offen zeigen und gleichzeitig lernen, diese klar und deutlich auszudrücken. Wer Gefühle unterdrückt, riskiert bekanntlich, dass sich die eigene Wut nach innen richtet. Bestimmt kennen Sie das Ergebnis schon: Sie explodieren plötzlich – und Ihr Gegenüber ist völlig überrascht und überfordert. 

     

     

    Regeln für das Streiten aufstellen

     

    Es klingt zu Beginn vielleicht etwas seltsam – aber es hilft: Faire Auseinandersetzungen bedürfen eines ausgeklügelten Regelwerks, dass Sie mit Ihrem Partner festlegen. Psychologen stellen fest: Wer eigen Regeln für Konflikte festlegt, kann zu einer gesunden Streitkultur innerhalb der Paarbeziehung beitragen⁵. Setzen Sie in diesem Regelwerk beispielsweise ein zeitliches Limit für Konfliktgespräche und halten Sie sich gemeinsam daran. Kommunizieren Sie gegenseitig, was Sie sich von einem Streit erhoffen und halten Sie auch das Ergebnis fest. Vergessen Sie aber nicht: Beim Streiten geht es oft darum, sich von angestautem Frust zu befreien. Die Regeln dienen lediglich dazu, Konflikte zu regulieren – und nicht dazu, um dem Partner noch mehr Vorwürfe zu machen, wenn es mit der einen oder anderen Regel nicht klappt. 

     

     

    Fehler einsehen

     

    Ein guter Streit endet oft damit, dass wir uns – früher oder später – um eine Versöhnung bemühen. Dafür ist es wichtig, eigene Fehler einzusehen und sich für diese zu entschuldigen. Kein einfacher Schritt. Es kostet viel Mut, zu seinen Patzern zu stehen. Wer seinen Stolz jedoch überwindet, kommt einen großen Schritt weiter. Reflektieren Sie Ihr Handeln und Ihre Worte: Womit haben Sie Ihren Partner verletzt? Was hätten Sie anders machen können? 

     

     

    Sich Zeit geben

     

    Konflikte treffen uns – abhängig vom Thema – oft besonders tief im Herzen, wenn wir mit Triggern konfrontiert werden. Das bedeutet: Sie werden beispielsweise an Situationen aus der Vergangenheit erinnert, die Ihnen schmerzhaft im Gedächtnis geblieben sind. Geben Sie sich und Ihrem Partner deshalb etwas Zeit, nachdem es zu einem größeren Streit gekommen ist. Bekanntlich heilen Wunden nur langsam, wenn diese immer wieder aufgerissen werden.

     

     

    Arbeiten Sie am Vertrauen innerhalb der Partnerschaft

     

    Häufig haben wir Angst davor, dass unser Partner uns möglicherweise verlässt oder uns abwertet, wenn wir zu unserer Wut stehen und diese in einem Streit zum Ausdruck bringen. Nehmen Sie sich gegenseitig diese Angst und fangen Sie an, langsam ein größeres Vertrauen in die Beziehung zu entwickeln. Streit bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie eine schlechte Beziehung führen oder nicht gut genug sind. Im Gegenteil: Wer streiten kann, ohne bei jedem Konflikt um die Beziehung zu fürchten, kann stolz auf sich sein. Trauen Sie sich deshalb – und gehen Sie einem Konflikt nicht aus dem Weg.

     

    Was Sie außerdem über Paarkonflikte wissen sollten

     

    Bedenken Sie: Auch besonders belastende Situationen im Leben, die nicht direkt mit Ihrer Partnerschaft zu tun haben, können die Paarbeziehung erschweren und Streit fördern. Hierbei handelt es sich um keine alltäglichen Situationen: Krankheiten, traumatische Erfahrungen, der plötzliche Verlust eines Menschen oder ähnliche Situationen, die unsere Psyche belasten. Das Problem: Viele Paare nutzen Ihr Gegenüber in einer solchen Situation nicht selten als Projektionsfläche, sodass die Beziehung auf die Probe gestellt wird. Wer seine Beziehung nicht riskieren möchte, sollte offen und ehrlich mit seinem Partner über die Belastung sprechen. Außerdem gilt: Eine gute Gesprächsbasis mit dem Partner ersetzt nicht die professionelle Hilfe, die uns in einer solchen Situation zur Verfügung steht. Umso wichtiger ist es, Hilfe anzunehmen und sich und seinem Partner keinem unrealistischen Erwartungsdruck auszuliefern.

     

     

    Konflikte sind natürlich – und Teil jeder guten Beziehung

    Wer häufig mit seinem Partner streitet oder Konflikte auszutragen gänzlich vermeidet, fürchtet nicht selten um seine Beziehung. Diese Sorge sollten wir uns jedoch aus dem Kopf schlagen: Konflikte gehören zum Menschsein und zu jeder Partnerschaft dazu. Wie Ihre Beziehungsqualität ist, sollten Sie deshalb nicht davon abhängig machen, ob Sie streiten. Vielmehr geht es darum, wie Sie streiten. Merken Sie sich deshalb: Sie lösen Konflikte in der Liebe, indem Sie diese Konflikte tatsächlich austragen und nicht vor ihnen fliehen. Wichtig ist außerdem, zu lernen, wie wir die Unterschiede in einer Beziehung wertschätzen – und diese genauso als einen Teil der Partnerschaft betrachten, wie wir es mit unseren Gemeinsamkeiten tun.

    Quellen: 

    ¹,² https://www.pairfam.de/fileadmin/user_upload/uploads/tx_sibibtex/arbeitspapier_02p.pdf 

    ³ https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/32495/ssoar-zff-2005-3-arranz_becker_et_al-Wahrnehmung_und_Bewaltigung_von_Konflikten.pdf?sequence=1&isAllowed=y&lnkname=ssoar-zff-2005-3-arranz_becker_et_al-Wahrnehmung_und_Bewaltigung_von_Konflikten.pdf

    ⁴ http://www.wolfgangschroedter.de/ffm2012/ebbeckenohlen.pdf

    ⁵ https://paarsynthese.de/fileadmin/user_upload/pdf/Artikel/02_2-2011_Coellen-Holm-Roeser.pdf

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    Autor: All4Singles

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